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Nettetal: Bald blüht die Brache

Nettetal : Bald blüht die Brache

Eisenbahner-Kleingärtner ließen sich von der Blumenvielfalt der Floriade in Venlo inspirieren. Mit Heinz Tüffers vom Naturschutzbund wandeln sie eine verwilderte Parzelle am Alleenradweg in eine Wildblumenwiese um.

Die Floriade 2012 in Venlo trägt in Nettetal bereits Früchte. Der sechsjährige Maximilian kam beim Besuch seiner Klasse in Venlo auf die Idee, die Blumenvielfalt nach Kaldenkirchen zu holen. Er hatte auch eine konkrete Vorstellung: Am Alleenradweg sollen Blumen wachsen. Er überzeugte seinen Opa, der wiederum aktivierte den Eisenbahner Kleingärtnerverein, sich zu engagieren.

Seit über hundert Jahren sagen sich Fuchs und Hase auf den Brachen zwischen dem Gleisbett der Strecke nach Lobberich und dem Feldweg daneben gute Nacht. Seit einem Jahr ist das anders. Obwohl dieser Abschnitt noch gesperrt ist, radeln auch hier Leute entlang. Drei etwa 300 Quadratmeter große Parzellen dort, wo der Alleenradweg die Eisenbahntrasse verlässt, liegen seit Jahren brach.

Mehr Wildwiesen anlegen

Der frühere Postbeamte Wolfgang Caron sprach den Vorsitzenden des Naturschutzbundes, Heinz Tüffers, an. Die Kleingärtner, die hier noch neun Parzellen bewirtschaften, boten ihm ihre Hilfe an. Sie beseitigten Brombeersträucher, Gestrüpp und Disteln. Bei Tüffers liefen sie offene Türen ein. Der Lobbericher predigt seit Jahren, man solle mehr Wildwiesen anlegen, selbst kleine Flächen an Straßen seien dazu geeignet. Tüffers erreichte, dass die Stadt, der die Flächen gehören, die Grobarbeiten übernahm. Er stiftete den Wildrasen und übernahm die Feinarbeit beim einsäen. Ihn unterstützten der kleine Maximilian, dessen Vater Michael und Großvater Wolfgang sowie Rosala Mele vom Eisenbahner-Kleingartenverein. "Im Sommer werden hier roter Klatschmohn und blaue Kornblumen blühen. Die volle Blütenpracht wird sich erst im Sommer 2013 entfalten", erklärte Tüffers. Bis dahin muss die Fläche sorgfältig und richtig geschnitten werden. Die eingesäte Wildkrautmischung bestand aus 80 Prozent Kräutern und 30 Prozent Gras. "56 Wildkräuter sind der in der Acht-Kilo-Mischung" berichtete Tüffers. Wachsen werden hier wilde Möhre, Wiesenstorchenschnabel, Wiesenlabkraut, Kornrade, Wiesen-Salbei, Wildkarde, großer Löwenzahn, Schafsgarbe und Wiesenglockenblume. Nicht nur Spaziergängern oder Radfahrern wird die Vielfalt der Wiese Freude bereiten. Profitieren werden davon auch Insekten, die in der Landschaft endlich eine größere Vielfalt von Blumen und Kräutern finden werden. Jedes Insekt hat seine bestimmte Futterpflanze – und Vögel brauchen Insekten als Nahrung, besonders während der Brutzeit. Schwalben, Spatzen und andere Vogelarten suchen Nahrung in Wildwiesen. Heinz Tüffers weiß, dass mancher Wldblumenfreund enttäuscht ist, weil nach einem üppigen ersten Jahr wenig zurückkommt. Er rät von Billigmischungen ab. Wer wirklich etwas tun wolle, müsse tiefer in die Tasche greifen. Es gibt Fachmärkte, die die erforderliche Qualität anbieten. Der Nabu berät Interessenten gerne.

(le-)