Auftakt der Nettetaler Literaturtage Autor Navid Kermani stellt Fragen nach Gott in einer modernen Welt

Nettetal · Mit einer gut besuchten Lesung von Navid Kermani in der Aula der Realschule begannen die 13. Nettetaler Literaturtage. Eines seiner Themen: die Frage nach Gott.

Navid Kermanis Lesung war Auftakt der Literaturtage.

Navid Kermanis Lesung war Auftakt der Literaturtage.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Mit einer gut besuchten Lesung von Navid Kermani in der Aula der Realschule begannen die 13. Nettetaler Literaturtage.

In seinem aktuellen Buch „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“ geht der Kölner Autor Fragen nach Gott nach. Er macht dies sehr kunstvoll, indem er seiner Tochter jeden Tag ein Stück des Glaubens erklärt und ihre anschließenden Fragen aufnimmt und kommentiert. Er tut dies im Auftrag seines verstorbenen Vaters, der ihm auftrug, der Enkelin den Glauben der alten Heimat Iran zu vermitteln.

Auch wenn Kermanis Vater verstarb und der Autor zwei Töchter hat, entgegnete Kermani gleich zu Beginn dem Moderator Christoph Vormweg, der Erzähler im Buch müsse nicht identisch mit dem Autoren sein. Und auch wenn der geheimnisvolle Buchtitel auf einen berühmten islamischen Scheich des elften Jahrhunderts zurückzuführen ist, kann man ihn auch als Aufforderung an Kermanis zumeist christliche oder säkulare Leser verstehen, sich einmal dem Thema Islam anzunähern, zumal es Fragen nach Gott sind, die im Judentum und Christentum ebenso gestellt werden.

In der Kaldenkirchener Realschulaula las Navid Kermani zwei Kapitel aus seinem Buch. Allein diese beiden Passagen machten deutlich, wie tiefgründig, ernsthaft, aber auch poetisch der Erzähler in den fiktiven Dialog mit seiner zwölf-jährigen Tochter tritt.

Für sein Buch hat er alle zitierten Suren aus dem Koran neu übersetzt. Aber Kermani ist keineswegs ein Autor, der in diesem Buch den Islam anpreist und alle überzeugen will. Der Autor lässt seine Zweifel, aber auch seine Sehnsucht nach Gemeinschaft, in den erzählten Text einfließen. Anders als etwa die Türken in Köln hätten die Iraner keine Moschee in Deutschland.

Im Gespräch mit Moderator Christoph Vormweg macht Navid Kermani aber auch schnell klar, dass das aktuelle Regime im Iran den Glauben missbrauche.

Der Erzähler Kermani ist nur eine Facette des Autors. Der eloquente Intellektuelle nimmt zu vielen aktuellen Ereignissen in den Medien Stellung, etwa zur Hungersnot im Süden von Madagaskar in der „Zeit“.

Im September erschien Kermanis Buch „Was jetzt möglich ist“ mit Artikeln zu 33 politischen Situationen vom Brexit über Afghanistan und Mittelmeerroute bis zu er früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Leider verging die Zeit für die Lesung und das Gespräch der beiden Autoren viel zu schnell, Fragen aus dem Publikum waren da nicht mehr möglich. Der Andrang am Büchertisch zeigte aber, dass viele Zuhörer den Faden aufgenommen haben und nun die Lektüre fortsetzen werden.

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