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Nettetal: Ausbildung: Es geht immer noch etwas

Nettetal : Ausbildung: Es geht immer noch etwas

IHK, Handwerkerschaft und Agentur für Arbeit werben für die klassische Lehre. Denn die Wirtschaft sucht Auszubildende.

Werner Thelen muss sich auf eine Situation einstellen. Der Geschäftsführer der Anton Thelen GmbH in Leuth spürt, dass die Zahlen der Bewerber um eine Lehrstelle in der Schreinerei und im kaufmännischen Büro des Einrichtungshauses zurückgehen. "Wir hatten vor wenigen Jahren noch 40 reine Initiativbewerbungen, heute sind es noch ein Dutzend. Für uns ist das ein Zeichen, dass wir selbst aktiv werden müssen."

Der Ausbildungsmarkt wird künftig weniger vom Angebot als mehr von der Nachfrage durch Unternehmen bestimmt. Das bestätigten gestern Frank Lorenz, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung der IHK Mittlerer Niederrhein, Jens Wenglarz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, und Ingo Zielonkowsky, Leiter der Arbeitsagentur Krefeld-Kreis Viersen.

Lorenz warnt die Unternehmen, die Folgen des demografischen Wandels zu unterschätzen. Wer heute ausbilde, sichere sich frühestens in vier bis fünf Jahren eine versierte Fachkraft. Hat er die nicht, wird's teuer, Mitarbeiter einzukaufen. Noch verzeichnen IHK und Handwerk stabile Zahlen bei den Ausbildungsverträgen. Aber Lorenz sieht neben den Folgen immer schwächerer Geburtenjahrgänge, die die Schulen verlassen, eine andere verhängnisvolle Entwicklung.

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Jugendliche neigen dazu, sich überzuqualifizieren. Statt auf einen soliden Abschluss zu bauen und in die Ausbildung zu gehen, streben ganze Klassenverbände mit Fachoberschulreife das Abitur an. Im Einzelfall könne das richtig sein, aber nicht generell für jeden. Das sei weder für die Wirtschaft am Niederrhein noch für die jungen Leute der Königsweg — im Gegenteil. "Da steckt ein Fehler im System", sagte er gestern. Der Glaube, der Mensch sei nur mit Abitur etwas wert, sei ein fataler Irrtum.

Lorenz und Wenglarz empfehlen Unternehmen, jetzt dringend etwas gegen drohenden Arbeitskräftemangel zu tun. Neben der klassischen Nachwuchsgewinnung gebe es zahlreiche Instrumentarien und vor allem intensive Beratungen, unterstrichen beide. Zielonkowsky berichtete, die jungen Leute selbst nähmen diese Angebote der Agentur verstärkt in Anspruch. Aber auch er appellierte an die Wirtschaft, mehr Engagement zu zeigen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Arbeitsplätze zulege, sei es leichtsinnig, Ausbildungspotenziale nicht nach Kräften auszuschöpfen.

"Vielleicht drückt es noch nicht genug", sinnierte IHK-Geschäftsführer Lorenz. Wie Zielonkowsky fürchtet auch er, dass in manchen Unternehmen die Weitsicht fehlt. In wenigen Jahren bereits gingen die Zahlen der Schulabgänger drastisch zurück. Andererseits machten alle jungen Leuten Mut, sich auch jetzt noch um eine Ausbildung zu bemühen. Bis zu 40 Prozent der Jugendlichen brächen nach wenigen Wochen die Ausbildung ab. Das sei ein Zeichen für zu geringe Berufsorientierung, für zu einseitige Festlegungen und für Fehleinschätzungen auf beiden Seiten.

(RP/rl)