Nettetal: Aus der Erinnerung lernen bei Gedenkfeier in Alter Kirche

Nettetal: Aus der Erinnerung lernen bei Gedenkfeier in Alter Kirche

Von einer Kollektivschuld des deutschen Volkes für die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur mochte Prädikant Klaus Hubatsch nicht sprechen ("Schuld ist nur persönlich"), wohl aber von einer kollektiven Verantwortung der nachfolgenden Generationen, sich beizeiten gegen jedwede Versuche zu stemmen, den Totalitarismus als salonfähig zu betrachten.

Bei der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in der Alten Kirche Lobberich sagte der frühere Religionslehrer des Werner-Jaeger-Gymnasiums, das Gift des Nationalsozialismus habe sich schleichend mit kleinen Nadelstichen gegen den Juden in das deutsche Volk eingeschlichen. Am Ende habe eine millionenfache Vernichtung nicht nur der Juden, sondern auch der Sinti und Roma, der Behinderten und Homosexuellen ("unwertes Leben") gestanden. Angesichts zunehmender fremdenfeindlicher Straftaten mahnte er, aus den leidvollen Erfahrungen zu lernen und den Blick zu schärfen: "Wir müssen verhindern, dass der Totalitarismus wieder eine Chance hat."

Das klang auch in dem szenischen Spiel "erinnern - niemals vergessen - wachsam sein" an, in dem Schüler des Gymnasiums eine Linie von der grauenvollen Vergangenheit in die Gegenwart zogen: "Wir sind alle anders und unterschiedlich, trotzdem eine Gemeinschaft", bekräftigten Christen und Muslime. Wie die damalige "Volksgemeinschaft" mit ihren jüdischen Mitbürgern umgegangen ist, wurde deutlich, als die Namen von mehr als 150 Männern, Frauen und Kindern vorgelesen wurden, die aus Breyell, Hinsbeck, Kaldenkirchen und Lobberich in die Vernichtungslager transportiert wurden.

Nach der Gedenkfeier, zu deren Gestaltung der Chor und Musiker des Gymnasiums beitrugen, legte Bürgermeister Christian Wagner (CDU) einen Kranz an der jüdischen Gedenktafel neben der Kirche nieder.

(mme)
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