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Nettetal: Aufstand gegen die Spaßgesellschaft

Nettetal : Aufstand gegen die Spaßgesellschaft

Saalwirte und Vereine mit Zeltveranstaltungen haben es zunehmend schwer. Immer mehr Bürger sind nicht nur empfindlich gegen Lärm. Sie gehen energisch dagegen vor. Die Stadt bemüht sich darum, einen Ausgleich zu schaffen.

Die Bürger von Nettetal sind als feierfreudiges Völkchen bekannt. Schützenfeste und Karneval sind Ankerdaten in jedem Stadtteil, mitunter in einzelnen Sektionen. Hinzu kommen viele andere Feste, von denen die meisten in den Sälen oder eigens aufgestellten Zelten organisiert werden. Veranstalter — ob Wirte oder Vereine — haben es jedoch zunehmend schwer.

"Die Zahl der Bürger, die sich über in ihren Augen unerträglichen Lärm und andere Belastungen beklagen, ist deutlich gestiegen", sagt Klaus Ossmann, Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Rathaus. Die Bereitschaft, sich mit allen verfügbaren Rechtsmitteln gegen den Lärm zu wehren, habe ebenfalls zugenommen, bestätigt Erster Beigeordneter Armin Schönfelder.

In Kaldenkirchen nehmen Klagen über die Diskothek King's zu. An den Donnerstagabenden treffen sich junge Menschen, meist Studenten, zur fortgeschrittenen Stunde. Einige feiern bis früh in den Morgen hinein. Das ist mit Lärm auch in der Innenstadt verbunden, Hauseingänge dienen einigen als Urinale. In Schaag gibt es eine Auseinandersetzung von Nachbarn mit Ali Kanat, dem Pächter des "Hayat" (früher Saal Hermes). Die Stadt hat verfügt, dass im Saal keine Veranstaltung mehr mit Musik stattfinden darf.

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In Hinsbeck spaltete sich die Bevölkerung angesichts von Plänen zum Bau einer Veranstaltungsstätte. Vor allem im Ort wollen Bürger keinen Saal, weil sie Lärm und andere Belastungen fürchten. Im landschaftlich sensiblen Umfeld des Dorfes ist das Vorhaben kaum genehmigungsfähig.

Selbst dort, wo Menschen seit Jahrzehnten in guter Nachbarschaft mit einem Saal leben, regt sich Widerstand. Vielfach hat die Technik dafür gesorgt, dass das einst gute Auskommen nicht mehr funktioniert: Musikanlagen werden — auch rücksichtslos — viel zu laut und falsch eingestellt. Wummernde Bässe schlagen den Leuten regelrecht auf die Mägen. Das gilt auch für Freiluftveranstaltungen.

Sinnfreie Durchsagen per Lautsprecher nerven zunehmend die duldsamsten Anwohner von Sport- und Freizeitanlagen. Sie wollen außerdem nicht mit einer Musik überzogen werden, der sie nichts abgewinnen können. Seitdem flächendeckend das Rauchverbot gilt, spielt sich ein großer Teil von Geselligkeit vor der Tür von Kneipen, Sälen und Zelten ab. Schon eine normale Unterhaltung von vier oder mehr Personen um 2 Uhr morgens auf der Straße kann andere um den Schlaf und zur Weißglut bringen.

Beschwerden über Lärm nehmen auch bei Volksfesten zu, die bisher nie Probleme hatten. Zuletzt gab es das beim Frühlingsfest in Kaldenkirchen, aber auch in anderen Stadtteilen sind Traditionsveranstaltungen vor handfesten Beschwerden nicht gefeit. "Spurt" die Verwaltung (oder die Polizei) nicht so, wie gewünscht, drohen in Harnisch geratene Bürger Beamten rechtliche Schritte wegen angeblicher Untätigkeit an.

"Die Geselligkeit und die Feierkultur nimmt allmählich Schaden", fürchtet Armin Schönfelder. Die Verwaltung sei bemüht, die Interessen der Bürger und der Veranstalter auszugleichen. "Wir möchten beraten und suchen mit den betreffenden Menschen nach Lösungen. Aber auch das ist ein immer schwierigeres Geschäft", sagt Schönfelder. Vielfach gelinge ein Ausgleich, manchmal seien Fronten aber so verhärtet, dass der Spielraum extrem verringert sei. Schönfelder bescheinigt professionellen Veranstaltern in der Stadt, sich sehr große Mühe zu geben.

"Absprachen werden nach unseren Feststellungen eingehalten, es gibt Sicherheits- und Reinigungsdienste", berichtet er. Es liege an einzelnen Gästen oder Besuchergruppen, dass sich Bürger belästigt fühlten. Die Möglichkeit, auf sie einzuwirken, sei recht gering.

(RP)