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Nettetal: Aufruhr in Leutherheide

Nettetal : Aufruhr in Leutherheide

Die Maria Hilf NRW gGmbH will im Haus Baerlo eine Wohngruppe für traumatisierte Kinder einrichten. Ursprüngliche Erwägungen, hier ältere Jungen in einer Intensivgruppe unterzubringen, hat man aufgegeben.

Pläne der Jugendhilfeeinrichtung Maria Hilf gGmbH NRW, im "Haus Baerlo" bei Leutherheide eine Kinder- oder Jugendbetreuung einzurichten, haben in den vergangenen Tagen das ganze Dorf in Aufruhr versetzt. Auf einer Facebook-Seite wird bereits heftig über das Für und Wider einer solchen Wohngruppe diskutiert. Dahinter stecken offensichtlich große Ängste und Unsicherheiten, was demnächst auf Leutherheide zukommt.

Haus Baerlo ist ein Rittersitz aus geldrischer Zeit, der dem zu Jülich gehörenden Rittergut Altenhof Kaldenkirchen gegenüberstand. Baerlo ist aber weitgehend verfallen, der landwirtschaftliche Betrieb wurde vor einiger Zeit aufgegeben. Pächter ist die Kaldenkirchener Baumschule Lappen, die an den Gebäuden kein Interesse hat.

Die Maria Hilf gGmbH, zu der auch die Einrichtung Schloss Dilborn in Brüggen gehört, ist schon länger auf der Suche nach Möglichkeiten, betreute Wohngruppen für Kinder und Jugendliche zu schaffen.

Traumatische Erlebnisse

Für Aufruhr sorgte in Leutherheide eine Stellenausschreibung für erfahrene Pädagogen, die zum 1. September eine "neue Intensivgruppe" übernehmen sollten, "als vollstationäre Hilfe für sexuell grenzverletzende Jungen im Alter von 14-16 Jahren". Die Geschäftsleitung der Maria Hilf NRW gGmbH hat jedoch jetzt andere Pläne. Sie will sieben bis acht Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren in Baerlo unterbringen.

Die Kinder hätten traumatische Erlebnisse in ihren Familien erfahren. Die ländliche Umgebung und der Einsatz von Tieren — die Kinder sollen unter anderem Verantwortung erlernen — halte man für besonders geeignet. "Die Planungen laufen in Abstimmung mit dem Jugendamt des Kreises Viersen und dem Landesjugendamt in Köln", so Geschäftsführer Dieter Erfurth in einer schriftlichen Stellungnahme.

Nettetals zuständiger Dezernent Armin Schönfelder hat der Leitung von Schloss Dilborn signalisiert, dass die Stadt an dem weiteren Prozess unmittelbar beteiligt werden möchte. Schönfelder zeigt auch Verständnis dafür, dass die Leutherheider unmittelbare Informationen zum Projekt verlangen.

Ob es soweit kommt und Maria Hilf NRW Unterpächter auf Haus Baerlo wird, muss sich zeigen. Es müssen baurechtliche Hürden genommen werden. Darüber gibt es bereits Kontakt eines Architekten zur Bauaufsicht der Stadt. Außerdem erwartet die Stadt Nettetal, dass ihr ein Konzept vorgelegt wird — auch wenn der Kreis zuständig ist, weil Schloss Dilborn mit Brüggen in dessen Zuständigkeitsbereich fällt. FRAGE DES TAGES

(RP/rl)