Nettetal Auf der Suche nach Frühling

Nettetal · Trotz des Sonnenscheins in den vergangenen Tagen ist die Natur auf der Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald noch weitgehend im Winterschlaf. Auf Magnolien müssen Blumenliebhaber noch warten.

 Ado Lappen führte rund 25 Naturfreunde über die Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald. Dort gibt es nicht nur Mammutbäume, sondern auch viele andere interessante Arten zu sehen.

Ado Lappen führte rund 25 Naturfreunde über die Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald. Dort gibt es nicht nur Mammutbäume, sondern auch viele andere interessante Arten zu sehen.

Foto: Busch

Von der schleichenden Klimaerwärmung war nichts zu spüren. Im Gegenteil: Als Ado Lappen mit rund 25 Naturfreunden durch die Sequoiafarm ging, lag die Temperatur unter zehn Grad.

 Der beeindruckende Mammutbaum ragt auf der Sequoiafarm inzwischen 34 Meter hoch in den Himmel.

Der beeindruckende Mammutbaum ragt auf der Sequoiafarm inzwischen 34 Meter hoch in den Himmel.

Foto: Busch, Franz-Heinrich sen.

So hielten sich die Frühblüher noch zurück, ganz zu schweigen von den Magnolien, die der Naturpark Schwalm-Nette zur Besichtigung angekündigt hatte. "Darauf müssen wir nach diesem komischen Winter noch warten", meinte Lappen, der als Garten- und Landschaftsarchitekt in Ruhe das Arboretum ehrenamtlich betreut. Es gehört heute den Stadtwerken Nettetal.

Insekten sind wichtig

In dieser Phase konnte er im noch lichten Buchenwald auf Schneeglöckchen und erste Blüten des Lärchensporns sowie die leuchtend roten Skimmiabeeren verweisen. Bald wird auch das Scharbockskraut gelb blühen, wird der Ahornstab von Mücken bevölkert. Insekten sind wichtig für die weitere Verbreitung der Pflanzen, hörten die Besucher, von denen einige gar aus Krefeld und Mönchengladbach kamen. Sie erfuhren, dass hier und da eine Buche gefällt werden muss, um einem Felsenahorn oder anderen Bäumen das Überleben zu sichern. Das ist nach Lappens Ansicht dringend nötig, denn von einst 650 Arten sind nur noch rund 230 vorhanden.

Die einstige Artenvielfalt ist dem Zahnarztehepaar Dr. Ernst und Illa Martin zu verdanken. Es pflanzte in den ersten Nachkriegsjahren rund um ihr Heidehaus wieder Bäume, denn der Grenzwald war, abgeholzt und abgebrannt, zur Sandwüste verkommen. Dabei experimentierten die Martins mit dem nordamerikanischen Mammutbaum (Sequoia), der heute in der Küsten- und Bergart inzwischen 34 Meter in den Himmel hochragt.

"Wir haben hier neben Wuppertal-Buchholz den einzigen Küstenahornhain nördlich der Alpen", erläuterte Lappen und wies auf die kerzengraden Stämme hin: "wie Telefonmasten." Das Holz besonders des Küstenmammut ist bei Schreinern sehr beliebt (Red Wood). Die Verwendung für Türen und Wandvertäfelung konnte im Wohnhaus bestaunt werden.

Sequoien wuchsen einst auch hierzulande, doch sind sie von verschiedenen Eiszeiten verdrängt worden. Sie haben aber zur Bildung der Braunkohle beigetragen. Dass es hier die Küstensequoia in einer frosthärteren Version wieder gibt, ist den Martins zu verdanken. "Alle Bäume in Deutschland stammen von hier", sagte Lappen, der aber auch erzählte, dass ein Setzling des Urwelt-Mammutbaums den Weg von China nach Kaldenkirchen gefunden hat.

Darüber war auch Helmut Lienen bass erstaunt. Der Breyeller Rentner verband eine Radtour mit dem Besuch der Sequoiafarm, denn "hier bin ich noch nie drin gewesen, sondern immer nur vorbeigefahren".

(mme)
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