Auf dem Landschaftshof Baerlo in Nettetal wird Rübenkraut gekocht

Leuth : Süße Belohnung im Unterricht

Die Klasse 4a der Gemeinschaftsgrundschule Breyell hat auf dem Landschaftshof Baerlo gelernt, wie Rübenkraut hergestellt wird: Es gab Krautbrote und ein Probierglas für daheim.

Rühren, rühren, rühren und dabei den Holzlöffel immer in der Form einer 8 durch den erhitzten Saft führen – Urs Steiner zeigt den Jungen und Mädchen, wie es geht, und erklärt, warum die 8 so wichtig ist: „Dann wird die Flüssigkeit immer wieder durcheinandergewirbelt, dann kommt das Wasser immer wieder nach oben, denn das muss verdampfen. Damit aus dem Rübensaft das Rübenkraut wird“, sagt er in leicht schwyzerdütschem Tonfall. Den hat der 76-Jährige nicht abgelegt, obwohl er seit fast 40 Jahren in Viersen lebt.

Die Rübenkrautproduktion „im Hausfrauenmaßstab“ spielt sich in der Tenne des Landschaftshofs Baerlo in Leutherheide ab, den die Kinder der Klasse 4a der Gemeinschaftsgrundschule Breyell schon gut kennen. Denn im Frühjahr 2019 waren sie dort zum ersten Mal gewesen, um Zuckerrübensaat auszubringen. Im Herbst haben sie bei ihrem zweiten Besuch die Rüben geerntet; damals probierten einige eine Scheibe Brot mit Rübenkraut: „Ich habe noch nie so etwas Leckeres gegessen“, erzählt ein Kind. Wie das Leckere entsteht, sehen die Kinder jetzt.

Urs Steiner hat vorgearbeitet und schon Rüben mit einer Bürste vom letzten Dreck gereinigt. Eine Rübe ist bereits in kleine Schnitzel geschnitten worden, die jeder aus der Schulklasse probieren darf. „Schön süß“ ist das allgemeine Urteil. Die Schitzel einer zweiten Rübe waren in einem Dampfkochtopf gekocht worden, so dass sie jetzt in die Presse kommen. Jeder darf mal an der Schraube drehen und kann gleich sehen, wie der Rübensaft über ein Sanitastuch (früher für Windeln gebraucht) in einen großen Becher läuft. Mit dem Tuch werden noch mögliche Faserreste der Rübe abgefangen. Und wie schmeckt der Saft? Jeder darf mit dem Finger mal reintauchen. „Nach Mais“, sagt eines der Kinder. Für die ungewöhnlich scheinende Antwort hat Steiner eine einfache Erklärung: „Im Mais steckt auch Saccharose, also Zucker, wie hier im Rübensaft.“

Dann kommt der Saft in eine tiefe Pfanne auf einem Gaskocher und muss nach dem 8-Muster ständig gerührt werden. Schon bald sehen die Kinder, die mit Begeisterung den Holzlöffel wieder und immer wieder umrühren, wie Wasserdampf aufsteigt. „Zwei Stunden musste man früher rühren“, erklärt Steiner die einst mühselige Arbeit, denn das Rübenkraut muss eine Mindesttrockensubstanz von 78 Prozent haben; sonst läuft es vom Brot herunter. Dass dies auch dann noch passieren kann, merken einige Kinder, als sie die von Angela Weggers zubereiteten Brotschnitten etwas schräg halten: Da klebt es an den Fingern.

Zuhause können sie weiter Baerlo-Rübenkraut essen, denn für jedes Kind gibt es ein kleines Glas, auf dessen Etikett sogar der Name der Schule vermerkt ist. „Wir haben dieses Projekt gerne gemacht“, sagt Klassenlehrerin Ulrike Goertz, „denn nun sehen die Kinder, wie Schritt für Schritt ein Produkt einsteht, das sie sonst nur aus dem Regal im Supermarkt kennen.“ Die Kinder waren auch mit Begeisterung dabei, weil sie bei der Aussaat, bei der Ernte und jetzt beim Herstellen mitmachen konnten.

Die Lehrerin ist schon gespannt auf das nächste Projekt zum Brotbacken. „Herr Rosenkranz ist für uns ein Glücksfall“, schwärmt Schulleiterin Iris Dickmanns-Dohmen, denn der langjährige Leiter der Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz, Bernd Rosenkranz, habe immer wieder Ideen, wie sich Aspekte unserer natürlichen Umwelt in den Unterricht einfügen ließen. Ein Glücksfall ist auch der Werkstoff-Ingenieur Urs Steiner, der das Saften „zuhause bei seiner Großmutter auf dem Hof gelernt“ hat und nun Spaß daran findet, diese alte Technik den Kindern von heute vorzuführen. Auf ihn, der zuletzt auch im Industrieofenbau tätig war, kommt bald eine neue Aufgabe zu: Der Bau eines Ofens für das Backhaus.