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Viersen Auch die Klinke im Quartier Latin ist Kult

Viersen · Die Kaldenkirchener Kneipe feiert morgen einen doppelten Schnapszahl-Geburtstag. In der historischen Stadtschenke treffen sich nach wie vor die Generationen.

Hält sie, oder hält sie nicht? Scheinbar lose hängt die Klinke an der Tür zum stillen Örtchen, als könne sie jeden Augenblick herunterfallen. Vorsichtig versucht ein Gast, daran zu drehen. "Einfach ziehen", ruft Wirt Patrick und lacht: "Stammgäste wissen Bescheid, die Klinke ist so eine Art Markenzeichen fürs Quartier Latin." Tatsächlich wirkt in dieser urigen Kneipe manches kurios. Aber gerade deshalb lieben Gäste die "Restauration", wie in altmodischen Lettern über dem Eingang prangt. Und das seit zwei mal 22 Jahren.

Gemütlich die Einrichtung, viel altes Holz, ein Skelett an der Wand, über der Theke ein Motorrad, davor der Kaminofen und dahinter jede Menge Konzert-Plakate und Postkarten der "Stadtschenke" von anno dazumal. "Das Haus war schon im 19. Jahrhundert eine Gaststätte", weiß Annerose Pannwitz, genannt Röschen. Sie bildet mit den Brüdern Mark und Patrick Dors sowie Thomas Kolodziej das Wirte-Quartett; jeden Tag hat einer von ihnen Theken-Dienst. "Wir sind jetzt 22 Jahre im Quartier Latin", sagt Mark. Röschen ergänzt: "Vorher hat der verstorbene Gründer Axel Langner 22 Jahre die Kneipe geführt".

Für die pfiffigen Zapfer, altersmäßig so zwischen Mitte 40 und Anfang 50, Anlass genug, am 18. Januar mit ihren Gästen zünftig zu feiern. Denn mit dem Schnapszahl-Geburtstag strafen sie alle Experten Lügen, die damals einem Vierer-Team als Kneipenbetreiber frühes Scheitern prophezeiten. "So was wie uns, als Team eben, gibt's sonst kaum irgendwo in einer Kneipe", vermutet Thomas. Damals übernahmen sie ein schweres Erbe: Das "Axel", wie die Kneipe im Volksmund heißt, war Kult in Kaldenkirchen. Doch das ist heute nicht anders: Stammgäste von früher treffen sich regelmäßig zum Axelianer-Stammtisch, die junge Generation kommt auch, darunter auch Studenten aus Venlo.

"Hier kann eigentlich jeder hingehen, egal wie alt, ich war ganz früher hier, bin heute gern hier, weil man immer Bekannte trifft und Musiker", erzählt Gast Holger. Der Verleger kommt spät an diesem Abend, an der Theke sitzen schon Krankenpfleger Stefan und Lehrer André, an einem Tisch vier gestandene Herren, am Nebentisch junge Leute, vom Kicker lautes Lachen, und aus den Boxen dröhnt "My Generation" von The Who.

Die Wirte tun was für ihre Gäste, jeden Abend eine andere Musikrichtung; Lesungen und vor allem Konzerte haben die kleine Szenekneipe weithin bekanntgemacht. Wirt Thomas: "Mir gefällt, dass man immer neue Leute kennenlernt." Stammgäste sind für sie Freunde, die bei Veranstaltungen für Motorrad-Freaks oder dem legendären jährlichen Open-Air-Festval "SpringJam" vor der Kneipe mithelfen. Beim nächsten Festival am 4. und 5. Mai spielt, verrät Patrick schon jetzt, "die Led-Zeppelin-Coverband Custard Pies, und Laura Sutherland ist auch dabei". Die junge Sängerin beeindruckte erst kürzlich bei einem Konzert in der Kneipe.

Vorher aber feiern die Wirte den doppelten Geburtstag. Dann wird wieder manch neuer Gast über die lockere Klinke stutzen. Doch die Vier von der Theke versichern unisono: "Die sitzt wirklich fest!"

(jobu)
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