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Nettetal: Arbeit an der "Einen Welt" in Kemondo

Nettetal : Arbeit an der "Einen Welt" in Kemondo

Katharina Grümmer ist "Missionarin auf Zeit". Die Abiturientin arbeitet im ostafrikanischen Tansania mit behinderten Kindern.

Vor fünf Monaten hat sich Katharina Grümmer auf den Weg nach Tansania in Ostafrika gemacht, rund 6500 Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Hier sammelt sie nach bestandenem Abitur als "Missionarin auf Zeit" für ein Jahr Erfahrungen. In der Nähe des Viktoriasees arbeitet sie im St.-Nikolaushaus in Kemondo für verwaiste, verwahrloste und behinderte Kinder.

Die Umstellung ist enorm: andere Kulturen und Mentalität, eine andere Religion und nicht zuletzt eine andere Sprache. Unter dem Motto "Mitleben, mitbeten, mitarbeiten" entsenden die Steyler Missionare jährlich freiwillige junge Menschen weltweit in Projekte. "Mission bedeutet gelebte Solidarität. Alle sind beauftragt, an der Gestaltung der ,Einen Welt' mitzuwirken", erklärt Katharina Grümmer, was die Intention ihrer Arbeit ist.

Sie lebt mit 19 kleinen und ganz vielen "großen Engeln" in Kemondo. Die Kinder leiden an Spastiken, Epilepsie, Spätfolgen der zerebralen Malaria oder Spina Bifida (offener Rücken), andere haben Autismus, Aids oder sind lernbehindert. Sie werden rund um die Uhr betreut und gepflegt. Der heilige Nikolaus ist in Tansania Schutzpatron der Kinder. "Am Nikolausabend wurden fleißig Schuhe geputzt und Bilder gemalt. Das Thermometer zeigte 30 Grad, die Sonne brannte vom Himmel. Pünktlich in der Nacht zum 6. Dezember kam tatsächlich der Nikolaus. Er steckte jedem Kind eine kleine Tüte mit Süßigkeiten in die Schuhe", berichtet Katharina.

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Der Kaldenkirchenerin fällt es schwer, den tansanischen Alltag zu beschreiben. Er sei deutlich anders als in ihrer Heimat. Lehmhütten und unbefestigte Straßen prägen das Bild von Kemondo. Der jungen Frau setzt die Hitze erheblich zu, 41 Grad sind normal an der Küste. Die Tansanier seien grundsätzlich sehr offen und freundlich, jeder auf der Straße begrüße sie, sie werde häufig eingeladen. Am meisten gefalle ihr die Spontanität der Menschen, die andererseits nie pünktlich seien. Feste Termine seien sehr selten.

Dafür nähmen die Menschen sich Zeit für einander. Das Leben spiele sich auf der Straße und vor den Häusern ab. Immer seien Menschen unterwegs, der Straßenrand sei gesäumt von vielen Ständen mit Kleidung, Schuhen, Stoffen, Lebensmitteln, Früchten und Getränken — alles in einem großen Durcheinander. Vor den Häusern werde auf kleinen Holzkohleöfen gekocht, und es würden Bohnen, Reis und Fisch sortiert. Kemondo ist von der Fischerei geprägt. Es gebe deswegen täglich Fisch zum Essen, mitunter auch Heuschrecken. Katharina hat sie wagemutig schon probiert und fand sie "lecker".

Der Glaube spiele für die insgesamt sehr fröhlichen und temperamentvollen Menschen eine sehr wichtige Rolle. "In Kemondo gibt es mindestens fünf verschiedene Kirchen und eine Moschee. Unsere Kirche ist immer ziemlich überfüllt, es wird viel gesungen, Spenden werden tanzend zum Altar gebracht." Überall im Stadtbild sähe man an Autos, auf Plakaten und Schildern Glaubensbekenntnisse und Zitate aus der Bibel.

Die Sprache Suaheli sei immer noch sehr schwierig. Es gebe keine wirkliche Rechtschreibung, in den Dörfern sprächen die Bewohner unterschiedliche Dialekte. Meist lerne sie durch Zuhören und beim Kontakt mit den Kindern. Die Tansanier seien sehr geduldig und verständnisvoll.

(ivb)