Anna Pilz aus Kaldenkirchen und ihr Verein Fell und Federn

Serie Unsere Naturschützer : Im Einsatz für Tiere in Not

Anna Pilz aus Kaldenkirchen ist Mitbegründerin der Organisation Fell und Federn Wildtierhilfe NRW, die sich ehrenamtlich um verletzte Tiere kümmert.

Ob Enten mit gebrochenen Flügeln, verletzte Tauben oder junge Eichhörnchen, die aus ihrem Kobel genannten Nest fielen – – so manche Tiere in Not verdanken Anna Pilz ihr Leben. Die junge Kaldenkirchenerin hat sie gesund gepflegt, aufgepäppelt oder, wenn nötig, zum Tierarzt gebracht. Pilz ist Mitbegründerin der ehrenamtlichen Organisation Fell und Federn Wildtierhilfe NRW. Tierschützerin aber nennt sie sich nicht: „Der Begriff ist mir zu eng gefasst, es geht ums Ganze, ich sehe mich eher als Naturschützerin““, stellt Pilz klar.

Naturschützerin also. Für sie sind das Menschen, die darunter leiden, dass die Lebensräume für Tiere immer mehr verschwinden: „„Wir brauchen mehr Wildblumenwiesen.““ Als Naturschützerin freut sie sich, wenn Mitbürger ihre Gärten naturnah gestalten: „Man müsse dankbar sein für jedes Stück natürlichen oder naturnahen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.“

In jeder freien Minute ist Anna Pilz da für Mitgeschöpfe, die Hilfe brauchen: „Ich bin manches Mal nachts raus, wenn man mir zum Beispiel eine angefahrene Taube brachte.“ Und eine, die mit ihren gerade mal 23 Jahren schon weiß: „Bei allem Mitleid muss ich Tiere in Not mit Respekt und fachlich behandeln, sie sind keine Kuscheltiere.““

Um ihre Sache machen Pilz und die anderen Tierhelfer von Fell und Federn nicht viel Aufhebens. Und geraten doch mitunter in den Blickpunkt. Etwa, als in den heißen Sommerwochen in der Niers Wasservögel, Enten vor allem, erkrankten, viele der Vögel an Botulinum-Giften starben. Zusammen mit anderen Tierhelfern, mit denen man laut Pilz „gut vernetzt“ sei, so von Notfelle Niederrhein, leisteten die Macher von Fell und Federn ehrenamtlich Erstversorgung für die erkrankten Tiere und bargen die toten.

Wer sich jede freie Minute um kranke Tiere kümmert, sich dafür Fachkompetenz aneignet und ständig weiterbildet, dem bleibt oft sonst kaum Freizeit, zwischendurch höchstens mal ein paar Tage nach Holland ans Meer: „Macht nichts, sowas liegt bei uns in der Familie““, sagt Pilz und lächelt. Sie erinnert dabei an ihren vor einem Jahr gestorbenen Großvater Wolfgang Pilz, bekannt als Storchenvater: „Von ihm habe sie viel gelernt, vor allem die Liebe zur Natur und zu Tieren.“ Und sie denkt zurück an ein Schlüsselerlebnis, als zu Schulzeiten Mitschüler mit Jacken auf eine verletzte Dohle einschlugen: „Solche Herzlosigkeit gegenüber einem hilflosen Tier machte sie fassungslos, seitdem wusste sie, „ich muss mich für Tiere einsetzen“.“

Nicht immer aber bleiben genügend Zeit und Gelegenheiten für die praktische Tier-Versorgung, die Tierhelfer haben sich deshalb die Aufgaben aufgeteilt. Pilz macht zum Beispiel derzeit nur telefonische Beratung und Organisation und nimmt selbst aktuell keine Tiere auf.“ Auf das Engagement der Ehrenamtler reagieren die Behörden unterschiedlich, wie Pilz berichtet: „Vom Nettetaler Ordnungsamt wurden ihr schon mal verletzt aufgefundene Wildtiere zur Versorgung gebracht.“

Solches Vertrauen erfahren die Tierhelfer auf Kreisebene weniger. Pilz, die sonst so munter drauf losplaudert, hält kurz inne, deutet etwas resigniert an, es sei zum Beispiel mit Hinweis auf Vorschriften und Paragrafen untersagt worden, Tiere nach außerhalb des Kreises Viersen zu verbringen: „Aber für manche Tierarten gebe es spezialisierte Auffangstationen mit langfristiger Pflege nur weiter weg gelegen. „Was sollen wir denn machen, wenn man uns so ein verletztes Tier bringt?““

Einfacher sei die Pflege bei anderen Wildtieren wie Igel, so Pilz: „In diesen Wochen werden oft schwache junge Igel gefunden, da kann man viel falsch machen.“ Die Wildtierhilfe berät gern, leitet auch an andere kompetente Stellen weiter.“ Pilz weiter: „Entscheidend ist immer, wie einem Tier in Not am besten geholfen werden kann.““

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