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Nettetal: Angst um die Wasserrechte

Nettetal : Angst um die Wasserrechte

Auf engstem Raum und aus großer Tiefe fördern im Dreieck Nettetal-Brüggen-Viersen zahlreiche Wasserwerke das Wasser. Im oberen Grundwasserhorizont verschwindet Wasser. Landwirte fürchten bereits um ihre Existenz.

Landwirte und Gewerbebetriebe befürchten, dass ihnen möglicherweise demnächst die Wasserrechte genommen werden. Der rapide sinkende Grundwasserstand im Happelter sowie die Ansiedlung der Firma MEG in Nettetal und die zahlreichen Wasserwerke in diesem Gebiet bereiten vor allem Landwirten große Sorge.

"Wir erwarten, dass wir in die Beratungen und das möglicherweise demnächst anlaufende Antragsverfahren für MEG im vollen Umfang einbezogen werden", erklärt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Paul-Christian Küskens.

Vorräte sinken

Die Landwirtschaft beunruhigt sehr, dass die Wasservorräte im Westkreis allmählich zurückgehen und andererseits große industrielle Vorhaben geplant sind. Vor wenigen Wochen war öffentlich bekanntgeworden, dass bei den Beobachtungen der Wasserstände im Zusammenhang mit der Braunkohleförderung Garzweiler II ein Verlust von etwa 75 Zentimetern innerhalb nicht einmal eines Jahrzehnts im obersten Grundwasserspiegel entdeckt worden war.

Nach Angaben der Landwirtschaft müssen Inhaber von Wasserrechten, darunter auch die umliegenden Wasserwerke, befürchten, dass ihnen die bisher zugestandenen Fördermengen rationalisiert werden könnten.

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Der Geschäftsführer des Bauernverbandes, Udo Horstmann, berichtet von einer sehr großen Unruhe unter den Landwirten. "Das Thema Wasser bestimmte eindeutig die Winterversammlungen", sagte er. Im Ostkreis bereiten erheblich steigende Wasserstände große Sorgen, im Westkreis grassiert die Angst, der überlebensnotwendige Zugriff auf Wasser für die Berieselung von Kulturen könnte eingeschränkt werden.

Mit Beschwichtigungen will die Landwirtschaft sich jetzt nicht mehr zufriedengeben. "Nach unseren Informationen bleibt mittlerweile die Neubildung von Grundwasser hinter der Menge zurück, die entnommen wird. Die Förderung durch das Gewerbe, dazu zählen wir auch die Landwirtschaft, ist aber im Vergleich zu den Mengen, die die Wasserwerke entnehmen, vergleichsweise gering", erklärt Bauernvorsitzender Küskens. Er sei froh, dass inzwischen immer mehr Kollegen Anträge auf Wasserrechte gestellt haben und damit Versäumtes nachholen. An der Entnahme-Menge ändere das aber nichts.

Nettetals Ortslandwirt Heinz Zanders weist auf die Bedeutung von Wasser für die Produktion hin. Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren ihre alte Mischwirtschaft umgestellt, vor allem der Gemüsebau gewinnt an Bedeutung. Schon sehr früh im Frühjahr bewässern die Fachbetriebe ihre Felder, um die Wurzelbildung zu fördern. Vielfach werde nicht einfach gesprüht, viele Betriebe geben Kulturpflanzen die gezielte Tropfbewässerung. "Wir wirtschaften schon seit Generationen hier die Felder, das wollen wir auch in künftigen Jahrhunderten. Wir haben damit ein Problem, dass Eingriffe in den Wasserhaushalt für Investments von wenigen Jahrzehnten unsere Existenzgrundlagen gefährden." FRAGE DES TAGES

(RP)