Andreas Kries ist neuer Leiter des Werner-Jaeger-Gymnasiums in Nettetal-Lobberich

Lobberich : „Ich komme in ein wohlbestelltes Haus“

Andreas Kries (54) ist neuer Leiter des Werner-Jaeger-Gymnasiums in Lobberich.

Es sind Sommerferien, und Sie sind im Werner-Jaeger-Gymnasium.

Kries Die Übergabe läuft. Ich lasse mich von meinem Vorgänger Hartmut Esser einarbeiten. Er ist sehr organisiert, und so komme ich in seine Arbeitsstruktur rein und weiß dann, wo ich was suchen muss. Es sind große Fußabdrücke, die ich füllen muss.

Herr Esser hatte sich, bevor er Schulleiter wurde, bei einem Tag der offenen Tür als Vater ausgegeben, um die Einrichtung zu besichtigen. Was haben Sie gemacht?

Kries Ich war zum Schuljubiläum und zu Herrn Essers Verabschiedung hier, zum Empfang der zukünftigen Fünftklässler, und ich habe mich auch dem Schulausschuss, den Lehrern, den Vertretern der Elternschaft aus der Schulkonferenz und der Schülervertretung vorgestellt.

Nach den Ferien geht es richtig los. Werden Sie auch unterrichten?

Kries Ich werde in der EF Geschichte und in einer neunten Klasse Physik unterrichten. Als Schulleiter habe ich immer unterrichtet, fünf bis sechs Stunden in der Woche.

Warum haben Sie sich für Nettetal entschieden?

Kries Die Versetzung war notwendig geworden, weil das Fichte-Gymnasium in Krefeld, wo ich Leiter war, ausgelaufen und zum 31. Juli 2018 geschlossen worden war. Es gab dafür einerseits die örtliche Beschränkung auf den Regierungsbezirk Düsseldorf und dass die neue Stelle nicht zu weit von meinem Wohnort Heinsberg entfernt sein durfte, und auf der anderen Seite war ich der Meinung, dass es passte.

Warum?

Kries Ich hatte schon ein persönliches Interesse an der Schule, als die Stelle durch den Ruhestand von Elisabeth Ponzelar-Warter ausgeschrieben war. Damals ist Hartmut Esser aber ihr Nachfolger geworden. Nun hat es im zweiten Anlauf geklappt.

Was haben Sie im vergangenen Jahr gemacht?

Kries Ich war am Gymnasium Horkesgath in Krefeld. Dort sollte der Schulleiter in den Ruhestand gehen, aber seine Stellvertreterin, die seinen Posten übernehmen sollte, war ernsthaft erkrankt. Die Schule drohte, leitungslos zu werden. Also hat die Bezirksregierung mich als Schulleitungs-Back-up eingesetzt. Inzwischen ist die Stellvertreterin wieder gesund und nun dort Leiterin.

Wie haben Sie Ihre eigene Schulzeit in Erinnerung?

Kries Die Grundschule war gut und das Gymnasium zunächst auch. Dann kam das typische Jungen-Tief, die Senke in den Klassen 8 und 9. Aber als ich anfing, mich für Mädchen zu interessieren, wollte ich vor denen nicht als „Doofi“ dastehen. Das hat meine Laufbahn positiv beeinflusst.

Wie war Ihr Abi-Schnitt?

Kries 1,8. Aber der Schnitt ist heute nicht mehr so viel wert. Ich war unter den zehn Besten von 100, mit den Leistungskursen Mathematik und Physik.

Wie sind Sie in den Schuldienst gekommen?

Kries Ich hatte überlegt, Maschinenbau zu studieren, aber gleichzeitig auch Interesse an Geschichte. Also wollte ich beides kombinieren und in beiden Welten leben und arbeiten.

Fällt der Schulleiterposten einem Naturwissenschaftler leichter?

Kries Ich glaube, dass eine naturwissenschaftliche Vorbildung sehr hilfreich für strukturiertes Arbeiten ist. Das bedeutet nicht, dass Geisteswissenschaftler nicht strukturiert sind. Aber für die Verwaltung und die innere Organisation sind Naturwissenschaften hilfreich.

Haben Sie sich darum einst überhaupt für den Schulleiterposten entschieden?

Kries Ich habe da einfach Freude dran: an der Unterrichtsverteilung, am Kontakt mit den Gestaltern, Unternehmen vor Ort und dem Schulträger. Man eröffnet der Schule Chancen durch das Nutzen von Kontakten. Und Organisation ist etwas, das mir liegt.

Welche Richtung wollen Sie der Schule geben?

Kries Ich komme in ein wohlbestelltes Haus und will Vieles kennenlernen. Außerdem möchte ich mit vielen darüber sprechen, wozu es Veränderungswünsche gibt. Ich wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich sagen würde, wir machen jetzt alles anders.

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