An Geschäften in Kaldenkirchen und Lobberich gibt es jetzt Serviceklingeln für barrierefreien Zugang.

Serviceklingeln in Nettetal : Wer klingelt, bekommt Hilfe

Elf Händler und Dienstleister in Kaldenkirchen und Lobberich haben barrierefreie Serviceklingeln eingerichtet. Auf Knopfdruck helfen Mitarbeiter den Kunden, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, ins Geschäft.

„Bitte klingeln – Wir helfen Ihnen“: Dieser Hinweis, natürlich in Verbindung mit einem Klingelknopf sowie einem Aufdruck in Blindenschrift, ist seit Donnerstag an knapp einem halben Dutzend Geschäften in Kaldenkirchen zu finden. Die Idee dahinter: Die Läden sollen so besser erreichbar gemacht werden, etwa für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen. Wenn Hilfebedürftige klingeln, kommt jemand aus dem jeweiligen Geschäft oder Dienstleistungsbetrieb und hilft beim Zutritt.

Vorgebracht wurde die Idee der Serviceklingel von der SPD-Fraktion: „In der letzten Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschusses vor der Sommerpause wurde sie einstimmig beschlossen und ging dann durch den Rat“, erläutert Stadtsprecher Jan van der Velden. Danach ging alles sehr schnell. „Ein barrierefreier Zugang ist sehr wichtig, ich muss die Verwaltung loben, wie schnell das geklappt hat“, sagt die Nettetaler SPD-Vorsitzende Tanja Jansen. Nun hofft sie, dass viele Geschäfte im Kreis Viersen nachziehen.

Vorbild für die Aktion war die Stadt Kempen, wo die Klingeln bereits seit Oktober 2018 an vielen Geschäften hängen. Die erste der insgesamt elf neuen barrierefreien Serviceklingeln in Nettetal wurde bei Optik Volpp in Kaldenkirchen angebracht. Hier erschwert eine Stufe den Zugang. „Früher konnten wir Kunden über den Parkplatz der Deutschen Bank zu uns ins Geschäft holen“, sagt Optiker Stefan Zawiasa. „Leider geht das seit der Schließung nicht mehr. Vor kurzem haben wir daher eine Rampe angeschafft, sie ist extra leicht gebaut, damit auch meine Kollegin sie bei Bedarf leicht anlegen kann.“ Die Idee der Serviceklingel findet er sehr gut, denn natürlich sehe man nicht immer, wenn jemand das Optikergeschäft betreten möchte. 16 Töne und Melodien hat die Funkklingel zur Auswahl, er habe sich für einen angenehmen und relativ kurzen Ton entschieden. „Man kann die Klingel auch ausschalten, dann leuchtet beim Betätigen ein rotes Licht auf.“

Da, wo Bedarf besteht, können sich Einzelhändler und Dienstleistungsbetriebe melden, um ebenfalls eine Klingel zu erhalten. „Natürlich sind Nachmeldungen möglich“, erklärt Sabine Monz, verantwortlich für das Stadtmarketing Nettetal. Die rund 20 Euro für die Klingel und das entsprechende Hinweis-Schild übernimmt die Stadt.

Hannah Dückers war die Erste, die eine der neuen Klingeln drücken durfte. Die Rollstuhlfahrerin aus Kaldenkirchen ist begeistert von dem Service: „Toll, dass es so etwas jetzt hier gibt“, sagt die 19-Jährige. André Sole-Bergers, Inklusionsmanager bei der Lebenshilfe Kreis Viersen, weiß, warum solche Dinge für den Alltag hilfreich sind: „Die Klingel ist eine große Unterstützung für alle diejenigen, die nicht ohne weiteres in Geschäfte mit Eingangsstufen gelangen können.“ Gleichzeitig entschärfe sie unangenehme Situationen, denn oft wüssten andere Personen nicht, ob sie Hilfe anbieten sollen oder nicht. Durch das Signal mache man mit einfachen Mitteln darauf aufmerksam, dass man Hilfe benötigt.

„Häufig heißt es, es gibt gar nicht so viele Rollstuhlfahrer, aber die Wahrheit ist: Sie kommen erst gar nicht in die Städte, weil sie diese Probleme kennen“, sagt Sole-Bergers. Umso glücklicher ist Nicole Milke, Geschäftsführerin des Werberings Lobberich, über die rasche Umsetzung. „Es ist toll, wie zügig die Serviceklingel hier zum Einsatz gekommen ist“, betont sie. Zudem lobt Milke das ausgesuchte Modell, das auf sämtlichen Fassaden angebracht werden kann. „Die Serviceklingel passt auf verschiedene Materialien, hält auf Glas genauso wie auf Mauerwerk.“

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