Nettetal Am Silber schwer zu tragen

Nettetal · Der Diebstahl eines Königssilbers in Mönchengladbach hat viele Bruderschaften aufgerüttelt. Sie wollen die oft wertvollen Stücke absichern. Der Bezirksverband Nettetal-Grefrath setzt auf einen Vertrag. Versicherer raten ab.

 Bruderschaften besitzen Königssilber, das über mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Der materielle Wert ist vergleichsweise gering gegenüber dem ideellen Wert solcher Brauchtumszeugnisse.

Bruderschaften besitzen Königssilber, das über mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Der materielle Wert ist vergleichsweise gering gegenüber dem ideellen Wert solcher Brauchtumszeugnisse.

Foto: Busch

Andreas Hendricks trägt nicht nur die Königswürde der Leuther St.-Lambertus-Bruderschaft. Er trägt auch einen kleinen Schatz mit sich herum, wenn er die Bruderschaft offiziell vertritt. Das Königssilber ist äußerliches Zeichen seiner Würde — und es hat einen besonderen Wert. Was aber geschieht, wenn es wegkommt? In vielen Bruderschaften steht das Thema auf der Tagesordnung ihrer Mitgliederversammlungen.

Auslöser war der Diebstahl des Königssilbers der St.-Maria-Junggesellen-Bruderschaft Mönchengladbach-Neuwerk. Dem König war das Silber zu Neujahr bei einem Einbruch gestohlen worden. Anfang Februar entdeckte die Polizei es nach einem anonymen Tipp bei einem 21-Jährigen, der den Einbruch gestand. Jetzt wird die Sicherung des oft wertvollen und mitunter jahrhundertealten Silbers in Schützenkreisen beraten.

Haftung in der Amtszeit

So beschäftigte sich die Schaager Bruderschaft am vergangenen Sonntag mit einem Mustervertrag, den der Bezirk Nettetal-Grefrath empfiehlt. Könige müssen ihn bei Übernahme des Silbers unterzeichnen. Sie haften damit für die Amtszeit. "Wer es zwei Jahre trägt und zu Hause aufbewahrt, ist durch die eigene Hausratversicherung abgesichert. Er muss das aber vorher anmelden", sagt Bezirksbundesmeister Karl-Heinz Bäumges. Das Formular sei auf der Diözesan-Ebene Nord entwickelt worden. Der materielle Wert des Königssilbers sei versichert. "Jedoch ist der ideelle Wert eines Königssilbers unermessbar und unersetzlich", räumt er ein.

Der Königsweg ist das für Horst Pawlik nicht. Der Sprecher der Versicherungswirtschaft in der Region rät den Bruderschaften, das Silber selbst über eine Inhaltsversicherung abzusichern. "Sie sollte das Risiko nicht auf den König abwälzen. Weiß die Bruderschaft, ob er eine Hausratversicherung hat? Lässt sie sich die Police zeigen? Zahlt der König seine Prämien, meldet er die Aufbewahrung seiner Versicherung? Ich rate von der privaten Lösung ab." Problematisch sei die Bemessung des ideellen Wertes. Im Gegensatz zu einem Kunstwerk sei ein Königssilber keine Handelsware mit einem Marktwert. Anton Thelen, Erster Brudermeister der Leuther Schützen, hat das Königssilber zurzeit im Tresor. Er strebt eine dauerhafte Lösung an. Zeitweilig war das Silber im Tresor der Bank. Das war zwar sicher, aber wenig hilfreich. "Freitags am Nachmittag ist die Bank geschlossen. Ein König ist berufstätig, wie soll er an das Silber herankommen, wenn er es übers Wochenende benötigt?" Am liebsten sähe er, wenn die Schützen ein festes Vereinslokal hätten, in dem sie alle wichtigen und wertvollen Ausstattungsgegenstände sicher und dauerhaft einlagern könnten. "Wir sind in der Diskussion, so wie andere auch", sagt er. Immerhin ist das Silber fotografisch professionell dokumentiert.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort