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Nettetal: Alte Kirche ist der zentrale Ort des Denkmaltages

Nettetal : Alte Kirche ist der zentrale Ort des Denkmaltages

Der Denkmaltag beginnt offiziell im Marien- und Kreuzgarten in Schaag am Sonntag, 13. September. Um 9.15 Uhr gibt es einen kurzen Wortgottesdienst, danach eine knappe Führung durch die Anlage, auf den Resten eines Weltkriegsbunkers steht.

Es bleibt Zeit, um dann nach Lobberich zu fahren, wo Bürgermeister Christian Wagner um 10.30 Uhr in der Alten Kirche den Denkmaltag eröffnet. Die Kirche ist der zentrale Ort des Denkmaltages: "Wir haben damit ein Dach über dem Kopf, mitte September weiß man nicht, wie das Wetter sein wird", meinte Susanne Fritzsche.

Die Lobberich-Hinsbecker Kombination dokumentiert Einzelschicksale, die durch die Gewalt des Krieges massiv verändert wurden oder gar jäh abrissen, wie Dr. Theo Optendrenk es umschrieb. Außerdem geht es darum zu zeigen, welche Verluste der Krieg nicht nur an Menschen forderte. Die Kirche selbst ist so ein Ort. Amerikanische Artillerie brach Anfang März 1945 erst mit massivem Beschuss den wahnwitzigen Widerstand von Wehrmachtsoldaten. Treffer der Kirche kann man bis heute erkunden. Theo Optendrenk hat gezielt die Glasfenster der Pfarrkirche St. Sebastian aus den vielen unwiederbringlichen Verlusten ausgewählt. Der Künstler Friedrich Stummel aus Kevelaer schuf die Fenster, die regelrecht zu Bruch gingen. Die wunderbaren bildnerischen Darstellungen von Handwerk und Heiligen in der Rosette des Hauptportals, seinerzeit gestiftet vom Katholischen Gesellenverein (Kolping), der in diesem Jahr 150 Jahre alt wird, hat man versucht zu rekonstruieren.

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Ein Film von Einmarsch der US-Truppen in Hinsbeck vermittelt neben Fotos und anderen Dokumenten den Krieg und sein Ende. Werner Backes greift zurück auf das erste Ehrenmal, das 1902 auf dem Friedhof im Gedenken an die Toten des Krieges mit Frankreich 1870/71 errichtet wurde. Später kam eine Platte mit Namen von 28 Toten des Ersten Weltkrieges hinzu. Zu den Unheimlichkeiten aller Friedhöfe gehören Abteilungen für Kriegsopfer. 1919 folgte ein Ehrenfriedhof. Backes wird in der Alten Kirche berichten, was Lobberich durch Kriegseinwirkung verlor. Dazu gehört der Kreuzweg von Jakob Reiners in der Alten Kirche. Backes verbindet den Denkmaltag mit bitterem Protest gegen Entscheidungen der katholischen Kirche heute im Immobilienmanagement. Die Alte Kirche ist nicht mehr in die Bistumsfinanzierung einbezogen. Backes gehörte zu jenen, die 1967 den Schutt abtrugen und der Kirche ihr heutiges Bild gaben.

(lp)