Katholische Kirchengemeinde St. Lambertus Breyell Als vor 150 Jahren der Blitz in den Breyeller Kirchturm einschlug

Breyell · Der Nettetaler Stadtteil feiert in diesem Jahr die urkundliche Ersterwähnung vor 900 Jahren. Die Kirche St. Lambertus erfuhr im Laufe der Zeit viele Veränderungen

 Die neue Lambertus-Kirche in Breyell wurde am 4. Oktober 1905 feierlich eingeweiht. Die Glocken, die Orgel und der Taufstein aus dem 13. Jahrhundert wurden von der alten in die neue Kirche gebracht.

Die neue Lambertus-Kirche in Breyell wurde am 4. Oktober 1905 feierlich eingeweiht. Die Glocken, die Orgel und der Taufstein aus dem 13. Jahrhundert wurden von der alten in die neue Kirche gebracht.

Foto: Bauch, Jana (jaba)

Im Herzen Breyells ist er nicht zu übersehen: der Lamberti-Turm, von den Einheimischen liebevoll der „alte Lambert“ genannt und ebenso besungen. Wie lange die Breyeller schon in eine Lambertus-Kirche gehen, weiß man nicht. Bekannt ist, dass der Ort mindestens 900 Jahre alt ist: Im Jahr 1118 erklärte Graf Gerhard von Wassenberg und Geldern, in Wassenberg eine Kirche gebaut zu haben. Um die Kirche und das dazugehörende Stift zu finanzieren, stattete der Graf die Kirche mit Gütern aus – unter anderem in „breidele“. Die Historikerin Margret Wensky beschreibt im Heimatbuch des Kreises Viersen 2018 die Anfänge Breyells so, wie sie sich aus der Schriftenlage ergeben. Denn archäologische Funde, die auf eine ältere mittelalterliche Siedlung hindeuten würden, gibt es in Breyell bislang nicht, führt Wensky aus.

Eine Lambertus-Kirche gibt es möglicherweise schon länger in Breyell. Lambertus war Bischof von Lüttich. Im Jahr 705 wurde er ermordet und fortan als Märtyrer verehrt. Schon im 8. Jahrhundert wurden Lambertus-Kirchen gebaut, im 9. und 10. Jahrhundert boomte die Lambertus-Verehrung regelrecht: Im Rheinland und in Westfalen entstanden viele Lambertus-Kirchen.

Wie könnte die alte Lambertus-Kirche in Breyell ausgesehen haben? Josef Funken, der eine Schrift zur Geschichte der Kirchengemeinde verfasste, erwähnt einen Artikel aus dem Niederrheinischen Tageblatt. Darin heißt es 1965, dass in Breyell schon vor der Jahrtausendwende eine kleine Holzkirche erbaut worden sein soll. Der Turm, der heute noch steht, wurde um 1380 errichtet. Mindestens drei Kirchenschiffe wurden im Laufe der Zeit angebaut – die Spuren kann man heute noch sehen.

Immer wieder sorgten Stürme für schwere Schäden. Josef Deilmann berichtet in seiner „Geschichte des Amtes Brüggen“, dass 1714 das Dach abgeweht und ein Stück des Mauerwerks eingedrückt wurde. Ein Anbau musste erneuert werden, weil das Holz gänzlich verfault war, auch die Glocken gingen zu Bruch. Am 27. Juli des Jahres 1868 zog über Mittag plötzlich ein Unwetter auf. Der Pfarrer hielt fest: „Gegen 1½Uhr nachmittags sind infolge eines schrecklichen Gewitters durch Blitz die Turmspitze, die Glocken, die Turmuhr und das ganze Innere des Turmes ein Raub der Flammen geworden.“ Das Rathaus, das seit etwa 1680 an der Kirche stand, wurde durch den Brand so stark beschädigt, dass es abgerissen wurde.

1884 kam ein neuer Seelsorger nach Breyell, der Kirche und Pfarrhaus in miserablem Zustand vorfand. Für eine neue Kirche setzte er alle Hebel in Bewegung, sodass 1902 mit dem Bau eines Gotteshauses auf dem Gelände der früheren Gaststätte „Kaiserhof“ begonnen wurde. 1905 konnte Hermann Dingelstad, Bischof von Münster, die neue Kirche feierlich einweihen. 1907 wurde beschlossen, die alte Kirche abzureißen. Der alte Turm blieb stehen.

Die Breyeller Glocken blieben übrigens nie lange am Ort. Die 1869 nach dem Blitzeinschlag angeschafften Glocken mussten im Kriegsjahr 1917 abgeliefert werden, einzige Ausnahme war die Lambertus-Glocke. 1930 wurden drei neue Glocken geweiht, die zusammen mit der Lambertus-Glocke 1942 abgeliefert werden mussten. Zum Glück für die Breyeller wurde die Lambertus-Glocke im Krieg nicht eingeschmolzen: 1949 konnte sie nach Breyell zurückgebracht werden. Die übrigen drei Glocken wurden 1953 ersetzt.

 Die alte Kirche nach dem Brand 1868 mit angebautem Rathaus.

Die alte Kirche nach dem Brand 1868 mit angebautem Rathaus.

Foto: Huetgens, Venlo/Repro Schmitz, Dülken
 Der Turm, um 1380 errichtet, trug früher einen Helm.

Der Turm, um 1380 errichtet, trug früher einen Helm.

Foto: Knappe, Jörg (jkn)

Wer das Geläut hören möchte, kann beim Pfarrfest eine DVD kaufen, die die Pfarrgemeinde im Jubeljahr aufgelegt hat. Im Film zu sehen sind historische Postkarten neben aktuellen Aufnahmen aus einem Ort, der mindestens 900 Jahre alt ist.

(biro)
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