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Nettetal: Alle sind für „Nettestadt“

Nettetal : Alle sind für „Nettestadt“

Kommunale Neugliederung vor 40 Jahren: Nach anfänglicher Ablehnung einigten sich die Gemeinden im Nettetal auf ein Zusammengehen. Schrittmacher waren Reulen und Backes. Der Verwaltungsaufbau war jedoch umstritten.

Einen Schock hatte Regierungspräsident Hans-Otto Bäumer den damaligen Städten Kaldenkirchen und Lobberich sowie den Gemeinden Breyell, Hinsbeck und Leuth versetzt, als er im April 1968 bei der ersten Anhörung zur kommunalen Neugliederung eine Großgemeinde im Grenzland aus dem Hut zauberte. Nicht Kaldenkirchen und Leuth sowie Breyell, Hinsbeck und Lobberich sollten zu zwei Gemeinden zusammengefasst werden, sondern gleich alle fünf unter einen Hut kommen.

„Große“ versus „kleine“ Lösung

Für den damaligen Breyeller Gemeindedirektor Werner Herzogenrath, der sich zunächst mit der Politik völlig gegen eine irgendwie geartete Fusion mit Nachbarn ausgesprochen hatten, kam jetzt nur noch die „große Lösung“ in Betracht. Dagegen tendierten seine Kollegen von Kaldenkirchen und Lobberich, Hans-Günther Karrenberg und Hans-Willi Güßgen, eher zu den „kleinen Lösungen“. Davon wollten Ernst Herfs (Hinsbeck) und Erich Tenselsen (Leuth) nichts wissen; sie verwiesen auf das zwischen ihnen schon schriftlich vereinbarte Zusammengehen.

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Bewegung kam in die Sache, als sich Kaldenkirchen und Lobberich in einer „aufgeschlossenen Atmosphäre“ trafen. Hinter den Kulissen hatten die beiden Realschulleiter Karl Reulen und Hanns Backes die Fäden geknüpft. Als dann auch die anderen Gemeinden im August hinzugezogen wurden, war auch die Breyeller Politik anderer Meinung: „Breyell bleibt doch nicht Breyell“. Regierungsvizepräsident Dr. Mittelstaedt überzeugte sogar den FDP-Kreisvorsitzenden und Ratsherrn Josef Ringendahl.

Mitte September ließ NRW-Innenminister Willy Weyer den offiziellen Vorschlag wie erwartet vorlegen: nur noch acht statt bisher 32 Gemeinden mit einer „Nettestadt“ im Grenzland. Bis zum 11. im 11. sollten die Gemeinden dazu Stellung nehmen, ließ Düsseldorf verlauten. Und dann kam ein „Papier“ an die Öffentlichkeit, in dem Kaldenkirchen und Lobberich sozusagen schon alles festgeklopft hatten, was noch zu regeln gewesen wäre. Alle Parteivorsitzenden und Ratsmitglieder hatten unterschrieben – bis auf eines. Leo Frenken war die „rühmliche Ausnahme“, wie Cornel Schnorrenberg sagte, damals Junge Union-Vorsitzender und schmollender Ratsherr in Leuth.

Die Verwaltungsfrage

Strittig war und blieb bis zum Jahresende die Verwaltungsgliederung mit der Zahl der Dezernate, an deren Spitze jeweils einer der damals fünf Verwaltungschefs stehen sollte. Nach dem ersten Vorschlag sollten es nur drei sein; dann wären zwei auf der Strecke geblieben. Um nach hektischen November- und Dezember-Wochen ruhig über Weihnachten und Neujahr zu kommen, hieß es: „Alle werden übernommen.“ FRAGE DES TAGES

(RP)