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Nettetal: Alle Aufregung umsonst

Nettetal : Alle Aufregung umsonst

Die ABK versetzte vor der Sitzung des Planungsausschusses Bürger mit Wurfsendungen wegen Straßenbauvorhaben in Aufruhr. Es handelte sich aber nur um eine Haushaltsberatung, in der alle Vorschläge geschoben wurden.

Hans Overhage strahlte mit der untergehenden Sonne um die Wette. Der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft ABK war hoch zufrieden mit dem Coup, den die Kaldenkirchener gelandet hatten. Etwa 80 Bürger — es können auch mehr gewesen sein — bevölkerten die saunawarme Mensa des Werner-Jaeger-Gymnasiums, wo der Planungsausschuss am Dienstag routinemäßig tagte.

Mit Hauswurfsendungen hatte die ABK Kaldenkirchener Bürger in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, ihre Straßen stünden zum Ausbau an, und die Anlieger müssten zum Teil kräftig mit zahlen. Einen Effekt verbuchten die "Aktiven Bürger von Kaldenkirchen" auf jeden Fall.

Sie mobilisierten Anwohner, die voller Sorge und mit Wut im Bauch in den Ausschuss eilten. Womöglich sahen einige bereits den Bagger vor der Haustür und fürchteten den schamlosen Zugriff der Stadt auf ihre Konten in den nächsten Tagen. So lasen sich jedenfalls E-Mails, die aufgrund der Mobilmachung durch die ABK auch die RP-Redaktion erreichten.

Kreisverkehr gekippt

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Wesentlich nüchterner und unaufgeregter ging es in der Sitzung zu. In den Beratungen zum Doppelhaushalt 2011/2012, der kommende Woche vom Rat beschlossen wird, kippte die Mehrheit von SPD, Grünen, FDP, WIN und ABK gegen die Stimmen der CDU den für 2012 vorgesehenen Ausbau der Kreuzung Gerber-/Ringstraße zum Minikreisverkehr für 100 000 Euro.

Anlieger werden dafür nicht zur Kasse gebeten. Aufgeschoben wurde auch der 375 000 Euro teure Ausbau der Straße Sassenfeld am Jägerhof. Dagegen stimmte der Ausschuss für den Ausbau der Venloer Straße in Kaldenkirchen ab 2012. Sie wird insgesamt 880 000 Euro kosten.

Der Ausschuss hatte zuvor einstimmig auch Maßnahmen ausgesetzt, mit denen die ABK Bürger in Aufruhr versetzt hatte. Es handelte sich um Vorschläge der Verwaltung für Straßenbauarbeiten in den Jahren 2013 bis 2015. Die Politik schob ausnahmslos alle Vorschläge auf. Damit werde man sich erst befassen, wenn man Klarheit über die Finanzlage der Stadt ab 2013 habe.

In diesen drei Jahren sollten auf Vorschlag der Verwaltung mehrere Straßen ausgebaut oder saniert werden. Einige dieser Baumaßnahmen erstrecken sich laut Planung über zwei Jahre. Im Einzelnen handelt es sich in Lobberich um den Sassenfelder Kirchweg (840 000 Euro), Windmühlenweg (95 000 Euro), Reinerstraße (195 000 Euro), Hoverkampstraße (235 000 Euro), Wevelinghover Straße (145 000 Euro), in Kaldenkirchen Entwässerung Bruch (116 000 Euro) Am Luchtberg (600 000 Euro), Stappstraße 580 000 Euro), Leuther Straße (125 000 Euro), Abschnitt Ringstraße zwischen Klemens- und Gerberstraße (250 000 Euro), in Leuth Austalsweg (180 000 Euro), in Hinsbeck Am Windfang (465 000 Euro) und in Schaag Entwässerung Bruckrath (85 000 Euro).

(RP)