1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Ärger um das Signet "Barrierefrei"

Nettetal : Ärger um das Signet "Barrierefrei"

Eine für gestern angesetzte Untersuchung für die Vergabe des Signets "NRW ohne Barrieren" wurde kurzfristig abgesagt: Mitglieder des Nettetaler Netzwerks für Behinderte fühlten sich übergangen.

Ein kleines Schild nur, und doch gibt es deswegen Aufregung: Gestern sollten eigentlich Mitglieder des Nettetaler Netzwerks für behinderte Menschen, Vertreter der Stadt und die Behindertenbeauftragte Dagmar Tohang die Jugendherberge in Hinsbeck auf Barrierefreiheit untersuchen. Bei positivem Ergebnis könnte dort schon bald das Signet "NRW ohne Barrieren" am Eingang prangen. Doch die Begutachtung wurde kurzfristig abgesetzt: Während der Sitzung des Netzwerks am Vorabend kritisierten Mitglieder, sie seien "bei der Festsetzung des Termins übergangen" worden.

Nettetal: Ärger um das Signet "Barrierefrei"
Foto: Land NRW

"Wir wurden extra im Dezember von der Agentur Barrierefrei NRW in Sachen Signet geschult, nun steht die erste Untersuchung an, und wir wissen nichts davon", bemängelte Michael Weber. Wie rund ein Dutzend der ehrenamtlichen Mitglieder hatte Weber sich für die Vergabe des Signets schulen lassen, damit "in der Praxis auch alles korrekt untersucht wird". Sitzungsleiterin Cornelia Heks vom Fachbereich Soziales der Stadt fasste die Diskussion im Haus Sonnenschein in Kaldenkirchen zusammen: "Auf Wunsch des Netzwerks wird die Begehung der Jugendherberge abgesagt."

  • Nettetal : Messe informiert über das Älter-Werden
  • Nettetal : Betreutes Wohnen am Marienheim
  • Nettetal : Stadt: Genügend U-3-Plätze für alle

Die Aufregung konnte man bei der Stadt gestern nicht verstehen: "Sicher ein Missverständnis", sagte auf Anfrage Sozialdezernent Armin Schönfelder. Zuständig sei Michael Theven, doch der Leiter des Fachbereichs Soziales sei erkrankt. Dabei war es nicht die erste Panne in Sachen Signet.

Rückblick: "Das Signet ,NRW ohne Barrieren' soll ab 2011 an Nettetaler Gebäuden angebracht werden, die für Menschen mit Behinderungen oder besonderen Einschränkungen gut zugänglich sind", hieß es im November 2010 im Sozialausschuss. Im Jahr darauf bedauerte Theven, die Kriterien für das entsprechende NRW-Signet seien vom Land immer noch nicht festgelegt worden. Damals kritisierte Weber: "Darauf warten wir jetzt schon anderthalb Jahre." Erst zwei Jahre später, im Dezember, fand die Schulung für die Signet-Vergabe durch die Agentur Barrierefrei NRW statt.

So lange warteten andere Kommunen nicht: Olsberg im Sauerland oder Düsseldorf hatten längst eigene Signets entwickelt und an öffentlichen Gebäuden sowie Geschäften und Praxen angebracht. In Nettetal hingegen setzt man auf das offizielle NRW-Signet. Was nicht alle Mitglieder im Netzwerk verstehen.

"Die Stadt ist doch ganz froh, dass sich alles hinauszögert und dann auch erstmal nur öffentliche Gebäude untersucht werden, damit es keinen Ärger gibt, wenn etwa eine Arztpraxis nicht barrierefrei ist und das Signet nicht kriegt", deutete vor der Sitzung ein Mitglied an. Das sei aus der Luft gegriffen, meinte dazu Schönfelder: "Welche Gebäude zuerst dran sind, haben wir in einer internen Absprache festgelegt."

Nach Rücksprache mit der Stadt hielt sich gestern Behindertenbeauftragte Tohang bedeckt. Ihr sei die Kritik zwar bekannt: "Aber dazu möchte ich mich nicht äußern." Zunächst soll nun ein neuer Termin für die Begehung der Jugendherberge festgelegt werden. Cornelia Heks: "Diesmal werden die Mitglieder im Netzwerk rechtzeitig informiert."

(jobu)