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Karneval in Nettetal: Abschiede, Tänze, Zugaben und 562 Möhren

Karneval in Nettetal : Abschiede, Tänze, Zugaben und 562 Möhren

Von Süchteln über Lötsch bis Hehler — am Wochenende wurde in fünf Sälen und einem Zelt kräftig Karneval gefeiert

Das traditionelle Möhrenschälen hat der Festausschuss Süchtelner Karneval in ein großes Rahmenprogramm im Weberhaus eingebettet. Zuerst gab's ein "warm-up" mit dem Süchtelner Prinzenpaar Marc I. und Lara I. - mit Unterstützung des Viersener, Dülkener und Boisheimer Prinzenpaares gegen den Süchtelner Saalbau, wozu der Prinz gehört. Dann wurde es ernst: Marc I. und Lara I. wetzten erneut die Schälmesser. "Lass uns mit dem 16. Wettschälen beginnen", sagte Helmut Schatten, mit Rainer van den Venn Initiator dieser Aktion.

Das Möhrenschälen fand zum ersten Mal 2002 in der Königsburg mit dem Prinzenpaar Hubert I. und Veronika I. (Oistrez) statt. Das Sessionsmotto hieß damals: "Op Spuure von Soetelsche Muure". Das Wettschälen brachte bis zur vergangenen Session insgesamt 18.275 Euro. "Wir starten", meinte Marc I. Süchtelns Festausschussvorsitzender Nicolai Rattay drückte die Stoppuhr. Nach elf Minuten und elf Sekunden waren 562 Möhren geschält. Multipliziert mit 1,11 Euro waren das 623,82 Euro plus zusätzliche Spenden. "Einen Teil davon bekommen die Löwenkinder. Über den Rest müssen wir noch entscheiden, wer ihn bekommt", sagte Rainer van den Venn. Die Gäste bekamen bei dieser Veranstaltung Möhrengemüse serviert. Helmut Schatten präsentierte die quirlige Tanzgarde des 3 x 11 Jahre alten Hinsbecker Karnevalskomitees. Das kleine und große Süchtelner Prinzenpaar und das Viersener sangen ihre Sessionshits. Die Süchtelner machten aus ihren Liedern eine CD. Der Erlös fließt dem Kinderkarneval der KG De Brook Müerkes zu.

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Eine tolle Galasitzung hat die KG Blau-Wette Jonges für ihr Publikum vorbereitet. Mit einem Wermutstropfen nach Mitternacht und einer schönen Premiere ganz am Ende: Im evangelischen Gemeindehaus spielten zum Schluss erstmals die "kölsche Adler". "Die Band drehte die Stimmung noch einmal auf links", sagte Sitzungspräsident Jürgen Moll begeistert. Nach der Pause zeigte er sich gemäß dem Motto "Blau-Wette Jonges im Orient" im Outfit eines orientalischen Kaftans. Bühnenbild und Saaldeko waren der Welt aus 1001 Nacht angepasst.

Moll, dem die drei Mariechen Kathy Jansen, Laura Brandts und Sarah Jansen während des Abends assistierten, sorgte nach Mitternacht für die große Überraschung und den einzigen Wermutstropfen: Der 66-Jährige gab nach 2 x 11 Jahren seinen Rücktritt als Sitzungspräsident bekannt. "Der Vorstand war informiert. Damit hat er ein Jahr Zeit, für mich einen passenden Nachfolger zu suchen." Die Prinzenpaare aus Viersen, Süchteln und Boisheim mit dem Süchtelner Ex-Prinzen Detlef Belk nahmen den sichtlich gerührten Jürgen Moll zum Abschied in ihre Mitte und sangen: "En unserem Veedel" und "Wenn am Himmel die Stääne danze".

 KG Blau-Wette Jonges: Die Tanzgarde der Blau-Wetten begeisterte im evangelischen Gemeindehaus mit ihren Hebefiguren.
KG Blau-Wette Jonges: Die Tanzgarde der Blau-Wetten begeisterte im evangelischen Gemeindehaus mit ihren Hebefiguren. Foto: Jörg Knappe

Die Blau-Wette Jonges haben mit dem bisherigen Blau-Wette-Standartenträger 14-jährigen Luca Hechel einen neuen Hoppeditz. Das ist sicherlich NRW-weit einmalig: "Ecki" Hechel, der einst als schnellster Hoppeditz vom Niederrhein die Säle unsicher machte, gab das Zepter und die Hoppeditzmütze an seinen Enkel Luca weiter. Viersens Senatspräsident Frank Schiffers gratulierte dem neuen Hoppeditz und verriet den Gästen im Saal: "Luca ist mein Großcousin." Dem neuen Hoppeditz zur Ehr' tanzte das Solomariechen Sana Dabah (11) von der KG "Alles det met" Kaldenkirchen. Zur Ehr' der Tollität und zur Freude des Publikums tanzte die Viersener Prinzengarde. Sie nahm Karl Braun, neuer Geschäftsführer des Festausschusses Viersener Karneval, als neuen Ehrensenator der Blau-Wette Jonges in ihre Mitte. Die Tanzgarden der Blau-Wette Jonges erfreuten mit ihrem Auftritt - die kleine mit Lea Albers, Jill Heykamp, Zoe Jansen und Daniela Meurer sowie die große mit Anna-Lena Bergs, Laura Brandts, Lea Brandts, Alicia Giesen, Joana Heykamp, Sarah Jansen, Michelle Moll, Carolina Münter, Johanna Schwenzfeier und Maya Steinkuhl. Ihre Zugabe: Orient. Michaela Giesen gab aus beruflichen Gründen ihren Trainerjob nach 15 Jahren auf. Die Frauen-Tanzgruppe der Blau-Wette tanzte im Orient mit "Bollywood" etwas aus der Reihe.

. Der Sitzungskarneval in Schwalmtal hat Fahrt aufgenommen. Mit ihrer ersten Sitzung begeisterte am Samstagabend die KG Hehler ihr Publikum. Ein bunter und sehr musikalischer Streifzug durch die Welt sorgte dafür, dass die Besucher gleich beim ersten Ton von "Steh auf - mach laut" dieser Aufforderung folgten und im Saal begeistert die Akteure auf der Bühne feierten. Die Sorgen eines Hausmeisters, die eines Ehemanns, aber auch die eines Ehepaares, bei dem der Mann den Hochzeitstag vergessen hat - das alles fand Eingang in das Spiel der KG-Aktiven. Die "Hehler Mösche", bekannt dafür, jedes Jahr ein aktuelles Thema in toller Kostümierung musikalisch mit Texten von Ludwig Heinrichs umzusetzen, kamen diesmal als britisches Königshaus und gaben Prinz William die Gelegenheit zu erzählen, was denn wäre, wenn er König von England wär'.

Die Selbsthilfegruppe der Wochentage, die Frauen, die bereits zum dritten Mal Witwe sind und ganz spezielle Wege gefunden haben, sich ihrer Männer zu entledigen - und nicht zuletzt der Einblick in die Damensauna von Hehler und die freie Sicht auf begnadete Männerkörper, die in spielerischer Leichtigkeit auf der Bühne die Kostüme wechselten, sorgten dafür, dass das Publikum immer wieder von den Stühlen aufstand, dass Teile bereits in der ersten Halbzeit auf diesen Stühlen standen.

 KKH Hinsbeck: Manfred Braun war 42 Jahre lang als "Flippe" auf der Bühne. Jetzt wurde er verabschiedet.
KKH Hinsbeck: Manfred Braun war 42 Jahre lang als "Flippe" auf der Bühne. Jetzt wurde er verabschiedet. Foto: Knappe Jörg

Wer in Hehler eine Sitzung besucht, nimmt anschließend auch immer neues Wissen mit. Was Erdbeertorte im Bett einzigartig macht, warum Donald Trump keine Tabletten verschrieben bekommt, was das Idealgewicht einer Schwiegermutter ist, was DSL, HTML, VHS und AOL mit einem Rettungsring zu tun haben - das erfährt man eben nur dort. Und dass einem warm ums Herz wird, wenn das Traumschiff MS Hehler mit Chefsteward Victor als erstem Deckoffizier und Dr. med Wurst, mit Kammerzofe Natascha und Heizer Stefan, mit Voll- und Halbmatrosen und Beatrice in See sticht, das ist unbestritten.

 KG Hehler: Das britische Königshaus war am Samstagabend zu Gast in Schwalmtal. In den Kostümen steckten die Hehler Mösche.
KG Hehler: Das britische Königshaus war am Samstagabend zu Gast in Schwalmtal. In den Kostümen steckten die Hehler Mösche. Foto: Jörg Knappe

Die Aktiven stammen bei der KG Hehler allesamt aus eigenen Reihen. Und auch der Nachwuchs kam natürlich nicht zu kurz. Gleich mehrere junge Darstellerinnen gaben ihr Bühnen-Debüt.

 De Molveren Dei: Ariane Zohlen und Thomas Landwehrs bereiteten dem Publikum "Kopfkino".
De Molveren Dei: Ariane Zohlen und Thomas Landwehrs bereiteten dem Publikum "Kopfkino". Foto: Jörg Knappe

Wer Hehleraner Sitzungsluft in der Party-Halle schnuppern möchte, kann sich noch eine der letzten Karten für den 2. Februar sichern. Alle anderen Sitzungen sind ausverkauft. Nach jeder Sitzung gibt es aber ab etwa 23.30 Uhr die After-Show-Party für alle bei freiem Eintritt. Auch Karten für den Party-Alarm am Karnevalssamstag-Abend sind zum Preis von fünf Euro im Vorverkauf und sieben Euro an der Abendkasse erhältlich.

Über ein volles Zirkuszelt konnte sich das Karnevals-Komitee Hinsbeck (KKH) bei seiner ersten Sitzung im Jubeljahr anlässlich seines 33-jährigen Bestehens freuen. "Das ist schon fantastisch, was die mit eigenen Leuten auf die Bühne bringen", hörte man vom Nachbartisch. Wie groß das Interesse ist, zeigt sich darin, dass innerhalb weniger Stunden beide Sitzungen ausverkauft waren. Besonders geehrt wurde das Gründungsmitglied Stephan Ringendahl für 3x11 Jahre und Peter Hüpkes für 2x11 Jahre Mitgliedschaft. Verabschiedet wurde Manfred Braun, der nach 42 Jahren die karnevalistische Bühne verlässt. Bereits der Bundesschützenspielmannszug "Frisch auf" und die Tanzgarde Blau-Weiß Fidele Heide brachten Stimmung ins Zelt. Auch der erste Büttenredner "Flippe" (Manfred Braun) konnte überzeugen. Auf die Frage seiner Frau "Sag, bin ich zu fett?" fand er die wenig diplomatische Antwort "An jedem Stück Fleisch ist ein Fettrand." Begeistern konnte auch "Der Henker vom Galgenberg" (Rainer Klingen), der die Politik karikierte. "In Venete wird's bald stinken" war eins seiner Themen. Begeisternd der Gardetanz der KKH-Tanzgarde, ein Augenschmaus verbunden mit großem tänzerischem Können. Nach der Pause berichtete "Der Mann mit dem Sessel" (Michael Schrömges) über ein Familiendrama, bei dem der Lieblingshund einer Erbtante beerdigt wurde, was zu reichlichen Konflikten führte. Überragend der Auftritt von Jerome Amende als "Paul Panzer". Dieses Mal hatte er Probleme mit den Freunden seiner halberwachsenen Tochter. Als er seine Tochter vom Yoga abholte, wurde ihm gesagt, sie habe eine Privatstunde beim Meister, man würde den "gespreizten Kranich" üben. "Den habe ich aber fertiggemacht", so Panzer. Krönender Abschluss: der Showtanz der KKH-Tanzgarde, gekonnt und voll Klasse vorgetragen.

Auch im fortgeschrittenen Alter ist die seit 125 Jahren bestehende KG De Molveren Dei aus Lötsch voller Schwung. Die Gäste bestätigten dem Präsidenten Axel Salentin, dass Karneval nach Lötscher Eigenart sehr gut ankommt. Ein neues Bühnenbild, gestaltet von Marco Verstegen, war so farbenfroh wie das Publikum. Das begrüßte die 88 Aktiven mit Beifall und Klatschmarsch im Saal Kreuels. Eine kaum enden wollende Schar Funkemariechen zog ein, viele wurden vom Präsidenten gebützt, nicht alle wollten. Die Einstudierung aller Tänze hatte Larah Schmitz übernommen. Prinzessin Larissa war überzeugt: Bei so großem Gefolge brauche man keinen Prinzen. Ein Höhepunkt war der Besuch des Prinzenpaares Hans-Gerd und Susanne. Alle sangen mit: "Aus Liebe zum Karneval." Ein weiterer Höhepunkt: die tanzende Männertruppe: André Urbaniak, Yannik Beskes, Sebastian Engels, Dirk Schrömges, Christian Ulrich, Jens Heythausen, Marc Kückemanns, Theo Schrömges, Marcels Sieck, Joshua Unkel und Michael Lücke fanden Anklang. Martina Wieser hatte die Nummer einstudiert. Dass ein Thermomix vielseitig verwendbar ist, bewies Marcel Sieck. Mit dabei: Elisa Cremers, Kathrin Michels, Joshua Unkel und Lea Winkels. Den Lobgesang hatte Roland Zetzen getextet. Nicht ganz leicht die Kost mit den Flaschengeistern, serviert von Yannick Beskes und Frank Cremers. Sarah-Lena Boers, Renate Lücke und Suzanne Touwen erzählten eine etwas andere Schneewittchen-Version. Mit "Kopfkino" warteten Ariane Zohlen und Thomas Landwehrs auf, Niklas Schlun folgte mit "Mr. Krebs, ich schreib mal ein Buch", Arno Bein und Daniela Heckmann mit dem Hinweis "Aufzug defekt?", Saskia van Heinsberg und Karsten Hoffmanns stellten fest: "Tanzen macht Freude?!" - und Holger Michels, langjähriger Sitzungspräsident, erklärte: "Wir haben verjüngt", auch mit Hinweis auf die jungen Sitzungspräsidenten Jasper Hoeren und Florian Hanßen.

(hk)