668 geflüchtete Menschen leben derzeit in Nettetal

Nettetal : 668 Geflüchtete leben in Nettetal

Die Zahl der Flüchtlinge ist in der Seenstadt im Vergleich zum vergangenen Jahr in etwa konstant geblieben. 2018 und 2019 kamen bislang 20 Menschen per Familiennachzug.

In den neun Gemeinschaftsunterkünften sowie in Privatwohnungen in Nettetal leben 668 geflüchtete Menschen. Wie schon vor gut einem Jahr besitzt die deutliche Mehrheit von ihnen einen Aufenthaltstitel: 412 sind asylberechtigt, 256 befinden sich als Asylbewerber im Verfahren. Dies geht aus einem Sachstandsbericht hervor, der im jüngsten Ausschuss für soziale Angelegenheiten vorgestellt wurde.

Die Anzahl der geflüchteten Menschen in Nettetal und vor allem deren ausländerrechtliche Status ändern sich ständig, heißt es in der entsprechenden Vorlage. Gründe sind demnach die schnellere Abarbeitung der Asylanträge, die Umsetzung der Dublin-Vereinbarungen sowie freiwillige Ausreisen und Abschiebungen. Für den Bericht wurden darum die Zahlen mit dem Stichtag 31. Januar 2019 verwendet. „Die sind durchaus noch aktuell“, sagt Sozialamtsleiterin Ina Prümen-Schmitz.

Im April vergangenen Jahres hatte die Stadt Nettetal für die Aufnahme geflüchteter Menschen zwölf Unterkünfte sowie Privatwohnungen bereitgehalten. Doch dadurch, dass immer mehr Flüchtlinge anerkannt wurden und Unterkünfte verlassen konnten, sank der Bedarf. So stand bereits damals das Objekt an der Industriestraße (eine Wohnung mit 16 Plätzen) leer, zum 30. November wurde es ganz abgegeben. Das Gebäude an der Bahnhofstraße dient inzwischen als Unterkunft für Wohnungslose, die Unterkunft an der Breslauer Straße 1 bis 5 steht leer und „wird bald abgerissen“, sagt Prümen-Schmitz. Die Gemeinschaftsunterkunft Glabbach 18a (Kneppenhof) wird zum 18. November aufgegeben. Die meisten Flüchtlinge leben derzeit an der Lobbericher Straße (49), danach kommen die Unterkünfte am Lötscher Weg (45) und an der Straße Vorbruch (37). 384 Personen sind in Privatwohnungen untergebracht. Dazu sind geflüchtete Menschen berechtigt, sobald sie anerkannt wurden. Ein „Riesenproblem“ ist laut Prümen-Schmitz allerdings die Vermittlung von Wohnungen. „Der Wohnraum ist knapp“, sagt sie.

13 Personen haben Nettetal verlassen; drei wegen einer freiwilligen Ausreise, sechs wegen Abschiebung sowie zwei wegen einer Umverteilung. Bei zwei weiteren ist der Aufenthaltsort unbekannt. 91 der Asylbewerber sind minderjährig und leben in Familien. Nicht berücksichtigt sind grundsätzlich die unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber, die durch das Jugendamt in Obhut genommen werden. Zum Stichtag 31. Januar waren das 30 Personen. 16 Personen kamen 2018 per Familiennachzug nach Nettetal, 2019 waren es bislang vier. Nach bisherigem Kenntnisstand werde für das erste Halbjahr 2019 ein Nachzug von weiteren 15 bis 20 Personen erwartet. Deren Anreise werde meist so spontan ermöglicht, „die sind für uns überhaupt nicht planbar“, sagt Prümen-Schmitz. Auch die Nachgezogenen leben aktuell in den städtischen Unterkünften.

Nach einer etwas ruhigeren Phase in der Flüchtlingskoordination sieht es derzeit wieder anders aus. „Für uns ist wieder Bewegung“, sagt Prümen-Schmitz. Grund sind neue Zuweisungen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz. Die Zahlen seien noch nicht final, weil es wie zuletzt beispielsweise auch Stornierungen geben könne, sagt die Sozialamtsleiterin, doch seien es seit dem 1. Mai sieben gewesen, dazu gebe es vier anstehende. „Unter Vorbehalt“, betont Prümen-Schmitz.

Hinzu komme, dass die Landesmittel in Höhe von 866 Euro monatlich pro Person (Lebensunterhalt, Unterbringung und Krankenhilfe) seit Ende 2017 nicht mehr ausreichten, sagt Prümen-Schmitz. Für die Schließung dieser Finanzierungslücke kämpft derzeit etwa der Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen. Weitere Bundesmittel fließen über die Integrationspauschale.

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