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Nettetal: 24. März ist Toni Thelens Schicksalstag

Nettetal : 24. März ist Toni Thelens Schicksalstag

Der Unternehmer wird am Sonntag 75 Jahre alt. Am selben Tag trat er vor 60 Jahren in die väterliche Schreinerei ein. Er eröffnete vor 40 Jahren ein Küchenstudio und baute 1998 das Unternehmen aus.

Bodenständigkeit ist in einer globalisierten Welt keineswegs ein Hindernis für wirtschaftlichen Erfolg. Im Gegenteil. Das fortwährende Bekenntnis zu den eigenen Wurzeln ist vielmehr Ausdruck dafür, wie man Globalisierung bewältigen und für sich nutzen kann. Toni Thelen, 13. Tischlermeister in der familiären Generationenreihe, hat womöglich die nachdrücklichste Form gefunden, wie man das ererbte Unternehmen übernimmt, kontinuierlich ausbaut und die Herkunft nicht verleugnet.

Der 24. März hat für Thelen eine besondere Bedeutung. Am Sonntag, 24. März, wird der überzeugte Leuther 75 Jahre alt. Mit 15 Jahren wurde er am 24. März 1953 Lehrling seines Vaters Paul Thelen. Am 24. März 1973 eröffnete er neben der Schreinerei "auf der May" sein erstes Küchenstudio. Und am 24. März 1998 wurde am Herrenpfad-Süd in Kaldenkirchen der Grundstein der neuen Schreinerei gelegt.

Rund 150 Mitarbeiter hat das Unternehmen, das auf der May mit Ausstellungsräumen aufwartet, die sonst unter den edlen Geschäftsadressen in Großstädten firmieren. Wer eine solche unternehmerische Karriere hinlegt, den hält es meist nicht in der vertrauten Umgebung. Er zieht hinaus in die Welt und wird Teil eines rastlosen Geschäftsbetriebs. Toni Thelen ist da völlig anders. Das deutete sich möglicherweise schon an, als der 15-Jährige um Ostern 1953 aus der Volksschule am Hampoel in Leuth entlassen wurde, heimkam und vom Vater in die Werkstatt geschickt wurde. "Das hat mir nicht gepasst, und ich bin durchs Fenster über den Hühnerstall geflohen, um mit den Nachbarskindern zu spielen. Über denselben Weg hat mein Vater mich zur Hobelbank zurückgeholt", erinnert sich Thelen. Er passte sich zähneknirschend an, führte das Handwerk fort, das sein Vorfahr Peter Matthias Thelen 1725 von Tegelen aus zur May nach Leuth brachte. Die Familie etablierte sich über Generationen mit der Holzbearbeitung im Ort. Toni Thelen, der ja nicht hinaus in die Welt, sondern noch ein Stück unbeschwerter Kindheit genießen wollte, setzte seine Energien um in den Ausbau der Schreinerei. Er baute, dabei enorm unterstützt von Ehefrau Billa, mit der er im September 2011 Goldhochzeit feierte, ein Fertigungsunternehmen für Innenausbau, Küchen und Schlafzimmer auf.

Der Vater hatte den Grundstein mit einem kleinen Möbelgeschäft gelegt, es war die Initialzündung für die weitere Entwicklung. Thelen blieb mit beiden Beinen fest in Leuth und sorgte dafür, dass die Menschen zu ihm kamen. Ende der 1950er-Jahre sicherten Flüchtlinge und Vertriebene zunehmend ihre Existenz in Leuth und Umgebung ab. Thelen sah seine Chance. Er kaufte Maschinen, mit denen er innerhalb von neun Monaten einen Auftrag abwickeln konnte: 30 Haustüren, 90 Wendeltreppen, 360 Fenster und 320 Zimmertüren. Mit der Spezialisierung im Innenausbau startete er durch. Thelen profitierte von seinem Patent der einschiebbaren Türfutter. Er stieß die Möbel ab und begann mit dem Verkauf und der Montage von Küchen (Klocke), die man sich bei ihm ansehen konnte. Die nun folgenden zehn Jahre entschieden über den wirtschaftlichen Erfolg, da die Schreinerei an Bedeutung verlor. "1984 mussten wir von der Substanz leben", erinnert sich Toni Thelen.

Der familiäre Zusammenhalt beendete die prekäre Lage in einem harten Wettbewerb. Messebauarchitekt Jakob Thelen verschaffte seinem Bruder den Auftrag, 1000 Theken für die Modellbahn-Firma Märklin zu bauen. Die Schreinerei erholte sich, der Betrieb wuchs. Nach dem Bau der neuen Schreinerei in Kaldenkirchen gründete Thelen Filialen in Moers, Düsseldorf, Mönchengladbach, Essen, Würselen und Kempen. Die Söhne Werner und Manfred waren längst in die Leitung eingetreten, aber Toni blieb stets im Hintergrund der Ruhepol.

Toni (und Billa) Thelen hat das Wechselspiel zwischen harter Arbeit im Unternehmen mit dörflicher Geselligkeit jene Kraft und Kreativität gegeben, die den Erfolg bescherten. Toni ist rund 50 Jahre leidenschaftliches Mitglied der St.-Lambertus-Bruderschaft, die er lange Jahre prägend leitete und der er in schwierigen Zeiten mit mehrfacher Königswürde (bis zum Kaiser) wohl auch die Existenz rettete. Mit seinem Engagement im Rücken wagten die Sportfreunde Leuth den Bau ihres Kunstrasens. Er war aktiv bei der KG Löther Rieser und ist politisch in der FDP zu Hause. Die Stadt zeichnete ihn vor zwei Jahren aus mit dem Nettetaler in Bronze für sein Eintreten für Leuth.

(RP/ac)