Moers: Zwischen zwei Kulturen

Moers: Zwischen zwei Kulturen

Im Schacht IV wurde die Ausstellung mit den Ergebnissen eines soziokulturellen Projektes von Frauen aus fünf Ländern eröffnet. Sie wurden von der Künstlerin Sigrid Nikel-Bronner angeleitet.

Der Kongo ist ein von jahrelangen Kriegen gebeuteltes und geschundenes Land in Zentralafrika. Trotz seines großen Reichtums an Bodenschätzen wie Kupfer und Gold herrscht unter der kongolesischen Bevölkerung bittere Armut. Sogar die Beamten und Lehrer, die eine feste Anstellung gefunden haben, bekommen wenig oder keinen Lohn. Kinderprostitution ist als Gelderwerb weit verbreitet. Es herrscht eine erdrückende militärische Präsenz, und auch Soldaten aus afrikanischen Nachbarstaaten, viele von ihnen noch Kinder, fallen regelmäßig in den Kongo ein, um sich an den Bodenschätzen zu bereichern. Zahlreiche Frauen und Männer haben unter Vergewaltigung und Verfolgung zu leiden.

Aktivistin gegen die Diktatur

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Auch Brigitte Mumbu wurde als politische Aktivistin, die sich kritisch mit der bestehenden Diktatur in ihrem Heimatland auseinandersetzte, vom herrschenden Regime verfolgt. Daher musste Brigitte Mumbu vor 15 Jahren ihr Land verlassen. Sie kam nach Deutschland und gleichbedeutend damit in einen völlig unterschiedlichen Kulturkreis. "Nach meiner Ankunft in Deutschland war mir zunächst alles fremd", sagt Brigitte Mumbu rückblickend. Sie erlernte dann schnell die fremde Sprache, um sich mit ihren Mitmenschen unterhalten zu können. Neben der Umstellung beim Wetter und Essen war das Erlernen der neuen Sprache die größte Herausforderung. Nach einer Phase der Eingewöhnung fühlt sich Brigitte Mumbu heute in Deutschland ausgesprochen wohl. Ihr Mann ist ihr nach Deutschland gefolgt und ihre beiden Kinder sind hier geboren. Dennoch denkt sie oft an ihre kongolesische Heimat.

Auch die gebürtige Libanesin Lulu Abouhamdan, deren Vater in der Heimat politisch verfolgt wurde, lebt zwischen zwei Kulturen, wenngleich sie Deutschland mittlerweile als ihre Heimat bezeichnet. Wie Brigitte Mumba hat auch sie versucht, die emotionale Zerrissenheit eines Lebens zwischen zwei Kulturen in einer Skulptur darzustellen, die im Rahmen der Ausstellung "Auswandern – Zuwandern" im Schacht IV der Zeche Rheinpreussen zu sehen ist. Seit der Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Sonntag werden im liebevoll restaurierten Fördermaschinengebäude der ehemaligen Zeche Kunstwerke von zehn Frauen aus unterschiedlichen Ländern präsentiert, die ihre individuellen Erfahrungen vom "Auswandern" und "Zuwandern" künstlerisch umgesetzt haben. Betrieben durch die Initiative "Der Bunte Tisch Moers ", die sich tatkräftig für ein stärkeres Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen einsetzt, wird das Projekt von der Künstlerin Sigrid Nikel-Bronner betreut und durch das Kulturbüro Moers sowie den Kreis Wesel unterstützt.

(RP)
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