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Moers: Zurück zum G 9-Abi: Volksbegehren startet

Moers : Zurück zum G 9-Abi: Volksbegehren startet

Im Februar beginnt ein Volksbegehren, das die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien zum Ziel hat. Wer dies unterstützen will, muss sich in Listen in den Rathäusern eintragen - auch in der Grafschaft liegen sie aus.

2017 wird ein "Superwahljahr": Im Mai entscheiden die Menschen über die Zusammensetzung des neuen Landtags, im Herbst über den neuen Bundestag. Für die Urnengänge warmlaufen können sich die Stimmberechtigten schon in ein paar Wochen. Am 2. Februar startet in Nordrhein-Westfalen ein Volksbegehren für die Wiedereinführung des alten G 9-Abiturs an Gymnasien. Auch in den Rathäusern von Moers, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort werden Listen ausliegen. Wer sich darin einträgt (Name, Adresse, Unterschrift), unterstützt die Elterninitiative "G 9 jetzt!", die das "Turbo-Abitur" an Gymnasien abschaffen und zur alten Regelung zurückkehren möchte.

"Bei G 8 werden Unterrichtsstunden einfach auf die Nachmittage geklatscht", sagte Marcus Hohenstein aus Siegen, Sprecher der Elterninitiative, gegenüber unserer Redaktion. Den Schülern bleibe kaum noch Zeit für Tätigkeiten außerhalb der Schule, wie Sport oder Musik. "Die Ruhephasen, die wichtig für die Entwicklung des Langzeitgedächtnisses sind, fallen weg." Die Aufnahmefähigkeit der Schüler leide. "Versuchen Sie mal, im Nachmittagsunterricht Mathe zu unterrichten. Das ist sinnlos", sagte Hohenstein, selbst Vater einer schulpflichtigen Tochter und Lehrer.

Die Elterninitiative hat 3000 Unterschriften gesammelt, die für die Zulassung des Volksbegehrens nötig waren. Am Montag hat sie die Eintragungslisten an alle 396 Kommunen des Landes verschickt. Die Kommunen sind verpflichtet, diese auszulegen, und zwar auch an vier Sonntagen. Wer sich eintragen will, muss seinen Personalausweis mitbringen.

"Wir werden das natürlich ordnungsgemäß durchführen", kündigte der Kamp-Lintforter Beigeordnete Christoph Müllmann an. Er hoffe aber, dass das Volksbegehren keinen Erfolg hat. "Die Umstellung von G 9 auf G 8 ist gerade erst mit großem Aufwand erfolgt, die Schulen haben Lehrpläne verändert, neue Bücher angeschafft, die Raumverteilung neu zugeschnitten." Sollte es zu einer Rückkehr von G 9 kommen, wünschte sich Müllman eine "Zusage, dass es dabei 20 Jahre bleibt. Das Hin und Her macht viel kaputt." Auf keinen Fall dürfe es aber dazu kommen, dass die Kommunen oder einzelne Schulen selbst entscheiden, ob das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren erreicht wird, wie es Politikern vorgeschlagen hätten. "Das brächte viel Ärger in die Kommunen."

Dass die Umstellung auf G8 nicht leicht war, bestätigt Susanne Marten-Cleef, Leiterin des Julius-Stursberg-Gymnasiums Neukirchen-Vluyn. "Wir haben uns aber gut darauf eingestellt." Das Gymnasium hat unter anderem ein 70-Minuten-Stundenraster eingeführt. "Das hat sich gut bewährt. Es wäre schade, wenn die Arbeit nach so kurzer Zeit erneut vorgenommen werden müsste." Das G 9-System habe seine Vorzüge gehabt. Aktuellen Handlungsbedarf, zu diesem zurückzukehren, sehe sie aber nicht.

Die Eintragungslisten liegen vom 2. Februar bis zum 7, Juni zu den normalen Öffnungszeiten im Rathaus Moers, Raum 2.070 und U.097, im Rathaus Neukirchen-Vluyn, Raum 131 und im Kamp-Lintforter Rathaus, Raum 207. An den Sonntagen 19. Februar, 26. März, 30. April und 28. Mai kann man sich in Moers zwischen 9 und 13 Uhr eintragen, in Neukirchen-Vluyn zwischen 10 und 14 Uhr, in Kamp-Lintfort (im Bürgerbüro, Raum 11,) ebenfalls zwischen 10 und 14 Uhr.

Unterschreiben acht Prozent (1,06 Millionen) der Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen, muss sich der Landtag mit dem Vorschlag der Elterninitiative beschäftigen. Ringt er sich zu keiner Rückkehr zu G 9 durch, kommt es zu einem Volksentscheid, der wie eine Wahl an einem Sonntagstermin durchgeführt wird.

Übrigens kann man Eintragungslisten auch nach einer Registrierung aus dem Internet laden, ausdrucken, zusammen mit anderen unterschreiben und dann an die Elterninitiative schicken. Infos: www.g9-jetzt.nrw.de/volksbegehren

(RP)