Moers Zum ersten Mal Sängerin im Chor

Moers · Unsere Autorin singt gerne, vor allem an Weihnachten. Jetzt wagt sie sich zur offenen Probe des Spontichors. Nach nur wenigen Stunden gestaltet sie gemeinsam mit anderen einen Gottesdienst in der St. Josef-Kirche mit.

 Jutta Langhoff (l. mit Hut) singt zum ersten Mal vor größerem Publikum. Sie probt erst mit dem Spontichor und gestaltet dann einen Gottesdienst in der St. Josef-Kirche mit. "Am meisten beeindruckt hat mich das spontane Gemeinschaftsgefühl", sagt sie.

Jutta Langhoff (l. mit Hut) singt zum ersten Mal vor größerem Publikum. Sie probt erst mit dem Spontichor und gestaltet dann einen Gottesdienst in der St. Josef-Kirche mit. "Am meisten beeindruckt hat mich das spontane Gemeinschaftsgefühl", sagt sie.

Foto: Klaus Dieker

"Alle, die gern singen oder ein Instrument beherrschen, sind herzlich eingeladen, am Samstag, den 7. 3. um 16.30 Uhr nach St. Josef Moers zu kommen. Jede/r soll sich trauen und kann nach seinen Möglichkeiten mitmachen." So hatte es einige Tage zuvor in der Zeitung gestanden. Ich singe gerne, besonders zu Weihnachten in der Kirche. Allerdings meist nur sehr leise, weil ich weiß, dass ich keine jubilierende Sopranstimme habe, und auch viele Töne nicht immer so richtig treffe. Deswegen hatte ich auch bisher noch nie versucht, in einem Chor mitzusingen. Das mit den persönlichen "Möglichkeiten" machte mir jedoch Mut. "Warum eigentlich nicht? Etwas Schlimmeres, als in die hintere Reihe verbannt zu werden, kann Dir schließlich nicht passieren", dachte ich mir und traute mich.

Als ich aber zehn Minuten vor dem angegebenen Probenbeginn die Kirche betrat und dort neben dem Chorleiter Boris Berns nur einen einzigen, weiteren sangeslustigen Interessenten erblickte, sackte mir dann doch das Herz in die Socken. "Ach du liebe Zeit!" Für ein Gesangsduo mit Klavier fühlte ich mich nun wirklich nicht geeignet. "Keine Sorge", beruhigte mich Boris Berns. "Wir haben das Gleiche schon einmal vor anderthalb Jahren gemacht, da sind 17 Leute gekommen. Außerdem habe ich schon drei Anmeldungen für eine Gitarre und zwei Blasinstrumente." Ich wurde tatsächlich ruhiger, zumal sich die Spieler der beiden Blasinstrumente wenig später als Stefan Büscherfeld und seine Frau Stephanie herausstellten. Ihn und seine Trompete hatte ich schon öfter bei diversen musikalischen Veranstaltungen erlebt. Seine Frau kannte ich bis dahin noch nicht, war mir aber sicher, dass sie - ebenso wie ihr Mann - im Notfall in der Lage war, mein mickriges Chorstimmchen mit ihrer mitgebrachten Posaune zu ersetzen. Doch zurück zum Beginn.

Inzwischen hatte sich unser Spontanchor auf insgesamt neun Teilnehmer erweitert, vier Männer und fünf Frauen, darunter auch die angekündigte Gitarristin. Alle besaßen bis auf mich selber und eine andere ältere Dame bereits mehr oder weniger ausgeprägte Chorerfahrungen, was mich um ein paar weitere Takte ruhiger machte. Doch dieser Zustand dauerte nur kurz. "Wir beginnen mit dem 'Kyrie eléison' Nummer 154 aus dem Gesangbuch 'Gotteslob'", verkündete Chorleiter Berns und stürzte mich damit in die erste gesangliche Krise. Ursprünglich als Protestantin aufgewachsen kannte ich nur wenige Lieder und Gesänge der katholischen Kirche, und schon gar nicht die lateinischen. Dennoch empfand ich sie irgendwie als so feierlich, dass ich nicht nur während der Probe, sondern auch in dem anschließenden, von Pfarrer Miroslaw Piotrowski gehaltenen Gottesdienst versucht habe, neben den bereits versierten anderen Sängern mein eigenes, wenig geschultes Gesangskönnen in die Gestaltung dieses Gottesdienstes mit einzubringen.

Was mich neben dem am Ende von den Kirchenbesuchern spendierten Applaus am meisten beeindruckt hat, war das spontane Gemeinschaftsgefühl, das in wenigen Stunden durch ein paar gemeinsam gesungene Lieder entstehen kann.

(lang)
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