Moers: Zu Hause sterben dürfen

Moers : Zu Hause sterben dürfen

Lange schien es unmöglich, das Bremsen der Kassen war heftig. Aber nun ist es geschafft: Das Palliativnetzwerk linker Niederrhein wird möglich machen, dass Schwerstkranke zu Hause sterben können. Sicher, gut versorgt.

Für Dr. Johannes Horlemann war es ein Herzenswunsch. Nun wurde es so etwas wie sein Lebenswerk. Das existiert ab 1. Juli ganz offiziell unter dem Namen Palliativnetz linker Niederrhein. Und es bedeutet im besten Sinne eine Revolution. Eine Verbesserung der Versorgung im ländlichen Flächenkreis Kleve. Täglich werden Menschen davon profitieren, dann, wenn es am wichtigsten ist: in der Phase des Sterbens.

Es ist (oder war) immer das Gleiche. Ein Mensch, schwerst krank, hat noch einige Monate zu leben. Größter Wunsch: Nach Hause, nicht im Krankenhaus die letzten Wochen erleben müssen. Doch wie kann man rund um die Uhr, an Wochenenden, Feiertagen eine Notfallversorgung sicherstellen? Wer hilft, wenn es plötzlich stärkste Schmerzen gibt, einfach nur eine aufwändige pflegerische Arbeit nötig wird, von jetzt auf gleich? Welcher Arzt kommt dann? Vielleicht ein HNO-Mediziner oder ein Dermatologe, die zufällig gerade den ganz normalen ärztlichen Notdienst übernehmen? Fragen, auf die es bislang keine befriedigende Antwort gab. So wurden und werden Menschen mal lieber aus Vorsicht dann doch ins Krankenhaus gebracht.

Kampf seit Jahrzehnten

Ein Umstand, gegen den die Klever Medizinjournalistin Marlene Linke, Gründerin des Vereins "Gemeinsam statt einsam", seit Jahrzehnten wettert. Gestern war auch sie begeistert. Was Dr. Johannes Horlemann und seine Kollegen vorstellten, das ist ein durchdachtes, durchgeplantes, tolles Gesamtpaket. Kernpunkt: Krankenhäuser (St. Josef Moers und Wilhelm-Anton Goch) arbeiten mit niedergelassenen Ärzten zusammen. So stehen für Notdienste Onkologen, Palliativmediziner und Hausärzte zur Verfügung. Gesteuert wird die effektive, schnelle und wohnortnahe Versorgung von der Einsatzzentrale, die mit einer Vollzeitkraft besetzt ist und im St.-Josef-Krankenhaus eingerichtet wird. Dr. Horlemann: "Sichergestellt ist für Notfälle auch, dass der jeweilige Arzt sich nicht erst mühsam informieren muss." Infos über den jeweiligen Patienten gibt es schriftlich, umfassend, schnell zu erfassen. Zweifelsfälle, Unwissenheit, was zu tun ist? Dadurch kein Thema mehr. In besagtem Netzwerk, so Dr. Norbert Schürmann, Departmentleiter für Palliativmedizin und Schmerztherapie am St.-Josef-Krankenhaus, arbeiteten aber auch Pflegedienste mit. Seelsorge sei gewährleistet, es gebe bereits etliche Apotheken, die bei der Bereitschaft zur Sofortversorgung beispielsweise auch mit Schmerzmitteln auf Morphinbasis mitwirkten.

Das Netz wird immer dichter

Und es gibt aufgrund emsigen Wirkens von Dr. Horlemann schon jetzt viele Mediziner, die dabei sind. Dr. Klein-Walbeck aus Walbeck, die Schwarzers aus Kalkar, Dr. Ernst aus Bedburg-Hau, Christof Makowka aus Asperden waren gestern bei der Vorstellung dabei. Es gibt und es werden noch viel mehr. Damit auch im Kreis Kleve endlich würdiges Sterben zu Hause möglich werden kann.

(RP)
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