Moers: Zehn weitere "Stolpersteine" zum Gedenken an Nazi-Opfer

Moers : Zehn weitere "Stolpersteine" zum Gedenken an Nazi-Opfer

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Verein "Erinnern für die Zukunft" setzen ab morgen ihr Projekt fort.

Die Rheinberger Straße 33 ist ein unauffälliges Mehrfamilienhaus mit einem ebenso unauffälligen Gehweg. Dort lebte bis 1940 die jüdische Familie Cahn, ehe sie wie die meisten anderen Moerser Juden nach Riga deportiert und später ermordet wurden. Zum Gedenken an diese Opfer der Nazis wird der Kölner Künstler Günter Demnig morgen ab neun Uhr vier goldfarbene Pflastersteine in den Gehweg einbringen. Fünf weitere Steine wird er im Laufe des Tages vor Häusern in der Hopfenstraße 28, der Augustastraße 8, der Bonifatiusstraße 47, der Römerstraße 438, der Lindenstraße 106. Der Moerser "Improviser in Residence", John Dennis-Renken wird die Veranstaltung mit Improvisationen auf der Trompete begleiten. Auch Moerser Schulen und Kirchengemeinden wollen Beiträge liefern.

Der zehnte Stein dieses Jahres soll am 6. Juli um 11 Uhr an der Lauffstraße 9 ins Pflaster eingelassen werden. Dort lebte der kommunistische Widerstandskämpfer Friedrich Jirsak, der 1940 im Zuchthaus Dreiberger-Bützow an den Haftfolgen starb.

Mit diesem Stein hätten die beiden Vereine "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit" und "Erinnern für die Zukunft" seit 2013 bereits 79 "Stolpersteine" im Moerser Stadtgebiet verlegt. Alle Steine wurden durch Spenden finanziert.

"Wir wollen auf jeden Fall weitermachen", kündigte gestern Bernd Schmidt von "Erinnern für die Zukunft" an. Dabei werde man sich vermehrt der Fälle von Menschen annehmen, die durch das Euthanasie-Programm der Nazis umgebracht wurden. Laut Schmidt seien das im Altkreis Moers 126 Opfer gewesen. Zum Vergleich: Während ihrer Schreckensherrschaft deportierten und ermordeten die Nazis 180 jüdische Mitbürger aus dem damaligen Kreis gebiet.

(RP)
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