Wohlfahrtsverband im Kirchenkreis Moers „Ohne uns geht es nicht“ – Grafschafter Diakonie feiert 100-jähriges Bestehen

Diakonie-Präsident Deutschland Rüdiger Schuch hielt Festrede in der Moerser Stadtkirche. Warum die Arbeit des Wohlfahrtsverbands bis heute so wichtig ist.

 Kai T. Garben (l.), Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie, mit Diakoniepräsidenten Rüdiger Schuch.

Kai T. Garben (l.), Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie, mit Diakoniepräsidenten Rüdiger Schuch.

Foto: Klaus Dieker / Grafschafter Diakonie und Kirchenkreis Moers

seit 100 Jahren

„Ohne uns geht es nicht“ – unter diesem Motto hat die Grafschafter Diakonie in der Moerser Stadtkirche jetzt mit circa 200 Gästen ein großes Fest gefeiert. Anlass für das Jubiläum: Am 13. Oktober 1924 beschlossen die Gemeinden im Kirchenkreis Moers bei ihrer Synode den Aufbau der Diakonie als Wohlfahrtsverband in Moers. Ziel war es, den sozialen Herausforderungen der Zeit wirkungsvoller zu begegnen. Kriegsfolgen, Inflation, Arbeitslosigkeit und Hunger prägten die soziale Arbeit der Anfangsjahre, in denen das Diakonische Werk des Kirchenkreises Moers zunächst soziale Dienste für Kinder und Familien ins Leben rief.

100 Jahre später sei die Bedeutung der diakonischen Dienste für den Zusammenhalt in der Gesellschaft ungebrochen, heißt es. „Ohne uns geht es nicht, in der Grafschafter Diakonie hier im Kirchenkreis Moers wird das deutlich. Weil sie eng und vernetzt miteinander arbeiten, weil Menschen hier einer diakonischen Kirche und einer kirchlichen Diakonie begegnen“, sagte der Präsident der Diakonie Deutschland, Rüdiger Schuch, in seiner Festrede.

Der Gast aus Berlin machte deutlich, wo er die Zukunft von Kirche und Diakonie sieht: „In den gegenwärtigen gravierenden gesellschaftlichen Umbrüchen suchen Menschen Orientierung und brauchen Unterstützung, damit sie in diesen Transformationsprozessen nicht unter die Räder kommen. Dafür brauchen sie eine couragierte Kirche und eine starke Diakonie, nicht weil Kirche und Diakonie alles besser wissen und besser können, sondern weil sie sowohl um ihre Stärken wissen, als auch um ihre Fehler und weil sie den Mut und die Kraft zur Veränderung haben.“

Stellvertretend für die Kommunen in der Region betonte Landrat Ingo Brohl die Notwendigkeit, die soziale Arbeit als gemeinsame Aufgabe zu verstehen: „Die kommunale Familie im Kreis Wesel ist Ihnen und Ihren Mitarbeitenden dankbar für ihre tägliche Arbeit mit den hilfebedürftigen Menschen und damit auch am Kitt unserer Gesellschaft.“

Sören Link, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, hob die Bedeutung der diakonischen Dienste für den Duisburger Westen hervor. Die Diakonie habe ihre Beratungs- und Unterstützungsangebote fortwährend ausgebaut, sodass es gelinge, den komplexer werdenden Lebensumständen gerecht zu werden.

Andreas Fateh und Dirk Tänzler, die Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Kreis Wesel und Duisburg, richteten den Blick auf Herausforderungen, die es nötig machten die soziale Arbeit weiterzuentwickeln und nannte zum Beispiel die Folgen der Covid-19-Pandemie, die weiter zunehmende soziale Ungleichheit, die Integration zugewanderter Menschen, den demografischen Wandel und die Digitalisierung.

Auf die Bedeutung der Diakonie als Stimme für den Wert der sozialen Gerechtigkeit ging Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, ein: „In 100 Jahren Diakonie im Kirchenkreis Moers wurden an vielen Stellen gute und wichtige Worte gesagt, um sich als Beitrag zur politischen Meinungsbildung für die Rechte von Benachteiligten einzusetzen, für den Erhalt von Unterstützungsleistungen zu streiten, den Skandal der Kinderarmut in unserem reichen Land auszusprechen, asylsuchenden Menschen auf der Flucht und Wohnungslosen eine Stimme und eine Lobby zu geben.“

Matthias Immer Aufsichtsratsvorsitzender der Grafschafter Diakonie und Synodalassessor im Kirchenkreis Moers dankte den Mitarbeitenden und sagte: „Ohne Sie geht es nicht, denn der Wind im sozialen System wird rauer. Der finanzielle Druck nimmt in allen Bereichen zu. Aber Sie sind als Vertretende der Freien Wohlfahrtspflege keine Belastung von Haushalten. Sie zeigen sich im Gegenteil mit Ihrer Arbeit als gute Investition in den Regionen und als Bindeglied zum Funktionieren unserer komplexen Gesellschaft.“

(juha)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort