Moers: Wo Senioren selbst gestalten können

Moers : Wo Senioren selbst gestalten können

Die innovative Arbeit der evangelischen Seniorenbegegnungsstätte in Schwafheim erhielt Lob bei der Auswertung durch die Uni Dortmund. Doch städtische Zuschüsse hat die Einrichtung bislang nicht erhalten.

Auf eine Feststellung legt Rita Prechel besonderen Wert: "Wir sitzen hier nicht nur und trinken Kaffee. Wir haben viele aktive Angebote." Die 67-Jährige zählt zu den Senioren, die regelmäßig die Begegnungsstätte der Evangelischen Kirchengemeinde in Schwafheim besuchen. An diesem Vormittag wird allerdings wirklich Kaffee getrunken. Doch das gelbe T-Shirt mit dem Aufdruck "Montags aktiv", das viele Besucher übergezogen haben, zeigt, dass Seniorenarbeit hier anders verstanden wird — nicht als bloße Bespaßung der älteren Menschen, sondern als Ermutigung, sich mit den eigenen Fähigkeiten und Ideen einzubringen. Der Erfolg gibt den Organisatoren Recht. Wöchentlich kommen rund 130 Besucher in die Einrichtung am Schwarzen Weg. Die Konfession spielt dabei keine Rolle, jeder ist willkommen.

Die aktuelle Diskussion über die Förderung der Seniorenbegegnungsstätten in Moers verfolgt Claus Brandis, Pfarrer der Schwafheimer Gemeinde, mit Unverständnis. "Wir waren eine der Einrichtungen, die an der Evaluation durch die Stadt teilgenommen haben", berichtet er. "Wir haben Räumlichkeiten umgebaut und Frau Kemmerich eingestellt. Von der Uni Dortmund, die das Projekt begleitete, hat unsere Einrichtung einen hohe Punktzahl bekommen. Und trotzdem haben wir bislang keine Förderung erhalten. Wir sagen: Die Verteilung der Gelder muss neu geregelt werden."

"Unsere Seniorenarbeit ist innovativ", sagt Nina Kemmerich, die Leiterin der Begegnungsstätte. Die Besucher entwickeln selber neue Angebote und führen sie eigenhändig durch. Teilhabe und Kreativität sind wichtig, denn die Senioren haben heute höhere Ansprüche an ihre Freizeitgestaltung.

Die Liste der Angebote ist lang. Für Fitness und Bewegung gibt es zum Beispiel Tanz-Kurse, Kegeln und Sitzgymnastik. Der Tischtennis-Crack unter den Senioren ist der 85-jährige Friedhelm Bressler. "Der putzt die Jüngeren von der Platte", versichert Horst Jelitto. Der 71-Jährige berichtet vom Programm des Männer-Aktivkreises (MAT). "Wir haben schon Ausflüge ins Bochumer Planetarium gemacht, haben eine Brauerei besichtigt und uns von einem Experten in die Welt der Gewürze einführen lassen." Ebenfalls zu den Aktivitäten der Einrichtungen gehört die Frauenhilfe, das "Café Füreinander", der Stammtisch "Isolde & Adalbert", ein Spielenachmittag sowie Kurse zu Themen wie Computer und Internet. Und damit ist das Programm noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Jüngere und betagte Senioren kommen gut miteinander aus. Grete Lindenberg ist mit 88 Jahren die älteste regelmäßige Besucherin. Sie möchte ihre Bekannten in der Begegnungsstätte nicht mehr missen. "Die Gemeinschaft, das Beisammensein, das bringt mir viel."

Auch unter den Senioren herrscht Kopfschütteln über die ungleiche Behandlung der Einrichtungen in Moers. "Keine Förderung für diese Begegnungsstätte, das ist ungerecht", meint Horst Jelitto. Für Rita Prechel hat die Stadt schlicht die Zeichen der Zeit nicht erkannt. "Das Thema des demografischen Wandels ist doch schon seit längerem bekannt." Einrichtungen wie die Schwafheimer Begegnungsstätte seien ungemein wichtig. "Wenn es das nicht gäbe, wären viele Menschen hier einsam."

Info Auskünfte gibt es im Gemeindebüro, 02841 31997.

(RP)
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