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Moers: Wo man fündig wird

Moers : Wo man fündig wird

Bald kommt es wieder zur Versteigerung – vor allem Fahrräder kommen inzwischen online unter den Hammer. Herrenlose Rollstühle oder entlaufene Schafe gehören aber genauso zum Alltag des Moerser Fundbüro.

Es ist halb sieben morgens, die Rollläden gehen hoch und auf einmal stehen da drei Schafe. Was macht man dann? Eine Möglichkeit ist, Bettina Fauseweh anzurufen. Sie weiß auch nicht immer direkt, was zu tun ist. Aber zu ihrem Berufsprofil gehört, Lösungen für allerlei Probleme zu finden. Bettina Fauseweh leitet das Moerser Fudbüro. "Ins Tierheim gehören die Schafe nicht, weil die nur Haustiere nehmen", erklärt sie. Später stellt sich heraus, dass ein Hirte drei Schafe vermisst. Der Außendienst des Ordnungsamts regelt den Rest. Wieder ein Problem gelöst.

Reptilien sind die Ausnahme

Nicht jeden Tag passiert so was. Echsen, Schlangen und Pfauen sind zwar schon in Moerser Gärten gefunden worden, aber sie sind eher die Ausnahme. Kurios geht es aber auch ohne Tiere manchmal zu. In der Stadt stand vor ein paar Wochen ein Rollstuhl – vom Besitzer keine Spur. Zunächst sei man überrascht gewesen, meint auch die Leiterin des Fachbereichs Ordnung, Birte Berstädt. Später sollte es, genau wie bei den Schafen, eine Erklärung geben: "Der Akku war leer, der Besitzer hat sich abholen lassen und konnte den Rollstuhl nicht transportieren", erinnert sich Birte Borgstädt.

"Die Leute freuen sich immer sehr, wenn sie etwas wiederbekommen", erzählt Bettina Fauseweh. Schlüssel zum Beispiel. "Damit kann ja sonst keiner was anfangen. Aber wenn man so einen ganzen Bund verloren hat, entstehen ganz schöne Kosten". Oft geht es gar nicht ums Geld: Dann übersteigt der emotionale Wert den materiellen um Einiges. "Eltern rufen an, deren Kinder ihr Kuscheltier oder eine Spieluhr verloren haben". Und wenn die Kleinen nicht mehr schlafen können, steigt der Wert auch für die Eltern ins Unendliche. "Viele, die hier anrufen, halten es eigentlich für aussichtslos, den vermissten Gegenstand wiederbekommen. Das Fundbüro ist eine Art letzte Chance", erzählt Fauseweh. Gegenstände mit einem Wert unter zehn Euro müssen nicht abgeben werden. Generell gilt: Der Fund muss nur angezeigt, nicht zwingend abgegeben werden. Nur wenn der Finder nicht den Platz zur Aufbewahrung hat, kommt das Fundbüro zum Zug. Aus diesem Grund gibt es im Keller des neuen Rathauses drei große Räume, in denen Fundstücke aufbewahrt werden. In erster Linie stehen da Fahrräder. Bald werden sie wieder versteigert, innerhalb eines halben Jahres haben sich rund 200 Fahrräder angesammelt. Wer etwas vermisst, muss den Gegenstand sehr genau beschreiben, damit am Ende der Eigentum eindeutig nachgewiesen werden kann. Die Räume im Keller bekommt aus diesem Grund niemand zu sehen. "Wenn Sie gesehen haben, was da steht, können Sie natürlich leicht behaupten, dass sie irgendwas daraus vermissen", sagt Borgstädt. Nur rund 30 Prozent der abgegebenen Gegenstände werden wirklich abgeholt. Der Rest kommt unter den Hammer.

(stepa)