Moers Wo jeder zum Helden werden kann

Moers · "Don Quijote" heißt das Stück, das Regisseurin Susanne Zaun im alten Neuen Rathaus inszeniert hat. Es basiert auf dem Klassiker von Cervantes. Patrick Dollas und Matthias Heße sind in einer wilden Phantasiewelt unterwegs.

 Patrick Dollas (hier: Don Quijote, li.) und Matthias Heße (hier: Sancho Pansa, re.) dozieren über das Heldentum.

Patrick Dollas (hier: Don Quijote, li.) und Matthias Heße (hier: Sancho Pansa, re.) dozieren über das Heldentum.

Foto: STM

Es ist eine gleich mehrfache Lebenslektion, dieses Kindertheaterstück "Don Quijote". Was es den Zuschauer lehrt: Jeder kann ein Held sein. Jeder kann mal der Helfer sein. Es ist sogar gut, sich mal als jemand anderer zu sehen. Und nicht jedes Traumland ist auch in Wirklichkeit traumhaft. Doch zurück auf Anfang.

Die Kinder, die die Premiere von "Don Quijote" im früheren Ratssaal des alten Neuen Rathauses besuchen, sind keine Theatergäste. Sie sind Gäste einer großen, bunten, lauten Party, bei der der groß angekündigte Überraschungsgast fehlt. Patrick Dollas und Matthias Heße warten gemeinsam mit den Kindern auf diesen spektakulären Gast, der ein großer Held sein soll. Für ihn schmücken sie den Raum, stellen einen gemütlichen Ohrensessel parat, über ihn erzählen sie heldische Geschichten. Doch er kommt einfach nicht.

Vielleicht, mutmaßen sie, gibt der Held, dieser Don Quijote, sich aber auch einfach nicht zu erkennen und ist längst da. Aber wie sieht so ein Held wohl aus? Patrick Dollas und Matthias Heße üben das Leben als Ersatzheld und stellen dabei fest: Die Haltung ist wichtig, der Ritterhelm und das Pferd ebenso. Ebenso wichtig: der zum Ritter passende Knappe, der seinem Helden treu ergeben ist. Sein unverzichtbares Accessoire: die Knappentasche mit dem "S" darauf, das für Sancho Pansa steht. Unverzichtbar für einen Helden sind auch die Abenteuer, die er mit seinem Knappen durchsteht. Darin müssen sie um schöne Frauen kämpfen, Löwen besiegen, gegen Windmühlen kämpfen und überleben, dass es im Traumland Tropibanana nichts zu essen, dafür aber literweise Zwiebelsaft gibt.

All das machen die beiden Schauspieler im früheren Ratssaal – und zwar im rasanten Rollenwechsel. Mal ist der eine Don Quijote, dann wieder der andere. Mal ist der eine Sancho Pansa, dann wieder der andere. Klar wird den Kindern dieser Rollenwechsel durch den Wechsel der Accessoires. Und diese kleinen Gäste sind Teil des Stücks: Sie "weinen" mit, wenn sie dazu aufgefordert werden, erschrecken und quietschen ordnungsgemäß, wenn Dollas aus einem der Partytische auftaucht; sie stellen sich sogar selbst als Ersatzhelden zur Verfügung und unterstützen einen Spieler bei seiner Suche nach dem anderen.

Irgendwann sind die beiden zurück im Jetzt, Don Quijote und Sancho Pansa sind wieder in den Accessoires verschwunden. Der Gast ist noch immer nicht aufgetaucht. Dafür ist den Kindern klar: Jeder kann ein großer Held sein. Jeder kann ein die wichtige Unterstützung sein. Ganz sicher ist: Alleine gegen Windmühlen zu kämpfen macht keinen Spaß.

(RP)