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Wissenschaftler tragen am Schlosstheater Moers vor

Kultur in Moers : RING-Vorlesung am Schlosstheater

Am Schlosstheater Moers stellen Mediävisten in Vorlesungen ihre Forschungen zur Nibelungensage vor.  Start ist am 26. September.

„Theater muss immer kürzen, auswählen, zuspitzen“, sagt Philipp Scholtysik, seit dieser Spielzeit Dramaturg am Schlosstheater Moers. Übrig bleibt dann und wann auch am Theater das Gefühl, nicht alle Aspekte einer Geschichte erzählt zu haben. So erging es auch Intendant Ulrich Greb und seinem Ensemble bei der Inszenierung des Stücks „Der Ring – Rheingold im Königsee“, das im Februar Premiere feierte. „Der Nibelungenstoff ist so umfangreich und vielfältig. Und es gibt neben unserer so viele Interpretationen, die andere Bedeutungen in den Stoff hineingelegt haben“, erläutert Scholtysik, warum das Schlosstheater entschieden hat, das Publikum zusammen mit Mediävistin Gaby Herchert von der Universität Duisburg-Essen zu RING-Vorlesungen einzuladen.

Keine Sorge, bei RING-Vorstellung handelt es sich  um ein Wortspiel: Es wird im Theater ab dem 26. September keineswegs akademisch zugehen. Die eingeladenen Wissenschaftler werden ihre Forschungen rund um den Nibelungenstoff vorstellen. Vor allem aber wollen sie mit dem Publikum über eine Erzählung diskutieren, die über die Zeiten hinweg nichts von ihrer Aktualität verloren hat. „Es gibt nicht so viele Stücke, die so eine kulturgeschichtliche Wirkung haben“, betont Professor Gaby Herchert. Sie hatte das Schlosstheater nicht nur bei der Entwicklung des Theaterstücks beratend zur Seite gestanden, sondern übernimmt in den RING-Vorlesungen die Moderation des jeweiligen Abends.

„Das Nibelungenlied ist noch heute aktuell“, betont sie. In ihren Vorlesungen an der Universität Duisburg-Essen greift die Mediävistin selbst gerne Themen beispielhaft aus dem Lied auf: „Gewalt, die Rolle der Frauen im Mittelalter, selbst die Beschreibung der Gewänder ist kulturgeschichtlich interessant.“ Spannend ist auch die Rezeptionsgeschichte des Nibelungenliedes: Die Nationalsozialisten missbrauchten den Stoff für ihre Zwecke. „Und noch heute keimt immer wieder die Rhetorik um die Heldengestalten auf“, weiß Gaby Herchert. Gruppierungen nutzen den Stoff für ihre völkische Gesinnung. Das gilt es aufzubrechen. Die Vorlesungen starten am Mittwoch, 26. September. Anke Lyttwin, Leiterin des Siegfried-Museums in Xanten, wird über Siegfrieds Erbe referieren. „Es wird eine Spurensuche zwischen Dichtung und Wahrheit“, berichtet Herchert. „Denn es halten sich bis heute viele hartnäckige Gerüchte um Siegfried.“ Weiter geht es am 17. Oktober: Eingeladen ist Professor Ingrid Bennewitz von der Universität Bamberg.

Ihr Vortrag „Aventiure von Sifride“ befasst sich mit der Heldenbiografie in der mittelalterlichen Überlieferung und ihrer Rezeption im 21. Jahrhundert. Professor Gunter E. Grimm (Universität Duisburg-Essen), der auch das Nibelungen-Portal ins Leben gerufen hatte, thematisiert am 7. November in seiner Vorlesung die Ikonographie Siegfrieds und Hagens in Kunst und Literatur: „Der Held und sein Mörder“ ist die Vorlesung überschrieben. Einen anderen Aspekt wird Professor Guillaume van Gemert (Universität Nimwegen) am 5. Dezember in seinem Vortrag „Das Königskind aus Niderland“ aufgreifen. Das  Nibelungenlied spielte auch in der Niederlandistik eine Rolle.

Die RING-Vorlesungen enden am 16. Januar. Professor Martin Schubert (Universität Duisburg-Essen)  begleitet Friedrich  Hebbels Nibelungen-Drama auf seinem Weg durch die Zeit. „Hebbel hat den Stoff ja auf ein andere Grundlage gestellt und ihn überschaubarer gemacht. Er hat die Komplexität reduziert“, erläutert Professor Gaby Herchert.

Die Vorlesungen finden jeweils um 19.30 Uhr im Schloss statt. Reservierungen sind möglich unter Tel.: 02841 8834110 und per E-Mail an info@schlosstheater-moers.de. Der Eintritt ist frei. Die nächste Aufführung des Moerser Rings ist am 5. Oktober, 19.30 Uhr, im Wallzentrum in Moers.