Moers: Wirte sollen Farbe bekennen

Moers: Wirte sollen Farbe bekennen

Mit dem neuen Jahr sollte eigentlich die "Hygiene-Ampel" für die Gastronomie eingeführt werden. Nun wird die Regelung verschoben. Wirte sollten sich trotzdem vorbereiten, rät das Laboratorium Dr. Berns.

Grafschaft Mancher erinnert sich sicher an den Film "Brust oder Keule", in dem Louis de Funes als Restauranttester die Zustände in Küchen untersucht— und Dinge sieht, die nichts für schwache Mägen sind. Wenn es nach dem Gesetzgeber geht, können Gäste bald auf einen Blick sehen, wie es in einem gastronomischen Betrieb mit der Sauberkeit gehalten wird. "Hygiene-Ampel" ist das Stichwort.

Dr. Georg Berns demonstriert, wie die Arbeit im Laboratorium vor sich geht. Ein Schwerpunkt ist die Beratung von Lebensmittelbetrieben. Foto: Klaus Dieker

Eigentlich sollte das Gesetz mit dem 1. Januar 2012 in Kraft treten. Doch der Termin wurde verschoben. "Es gibt vorerst Bestrebungen, ein bundeseinheitliches Bewertungssystem zu schaffen", sagt Thomas Kolaric, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Niederrhein. Sollten die Pläne umgesetzt werden, sind Betriebe verpflichtet, eine Urkunde über die Ergebnisse der Hygieneprüfung auszuhängen.

Bei den Gastronomen in der Region herrscht über die Pläne großer Unwille, sagt Kolaric. "Nicht, weil wir gegen Hygiene sind, aber es gibt an dem Verfahren einiges auszusetzen." Zunächst einmal könnten viele Wirte nicht verstehen, warum gerade sie zur Zielscheibe würden, anstatt die Lebensmittelindustrie, in der schließlich die meisten Skandale passierten. "Zudem reicht schon eine gesprungene Kachel für eine Beanstandung durch den Veterinär aus", sagt Kolaric. Eine weniger gute Bewertung auf der "Ampel" heiße also nicht unbedingt, dass in einer Gaststätte unsauber gearbeitet werde.

"Es geht nicht um neue Kontrollen, sondern um Transparenz für die Gäste", sagt Dr. Georg Berns, Geschäftsführer des gleichnamigen Laboratoriums in Neukirchen. "Es finden bereits jetzt regelmäßige Kontrollen statt, aber der Verbraucher erfährt nichts darüber." Dass etwas im Argen liegt, merkt der Gast frühestens, wenn ein Betrieb vom Veterinäramt geschlossen werden muss.

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Die Beratung von Lebensmittelnherstellern und die Untersuchung von Lebensmitteln ist im Laboratorium Dr. Berns der Schwerpunkt. Die Einrichtung hatte sich auf den rium Dr. Berns der Schwerpunkt. Die Einrichtung hatte sich auf den erwarteten Ansturm von Gastronom vorbereitet und bereits Flyer drucken lassen, auf dem Beratung und Tests angeboten werden. Denn die Hygiene-Ampel, da sind sich Georg und Gisela Berns sicher, wird trotz der Verzögerung kommen. Es spreche einiges dafür, dass die Regelung mit dem Jahr 2013 eingeführt werde.

Nicht auf den Stichtag warten

Es sei sinnvoll für die Gastronomen, nicht zu warten, bis das Gesetz gilt. Denn die eigentliche "Hygiene-Ampel", also jene Grafik, die zeigt, wie sauber der Betrieb ist, berechnet sich — so sehen es zumindest die Pläne vor — aus den Ergebnissen der voran gegangenen behördlichen Kontrollen. Verschmutzte Böden und Kühlschränke, Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder auch bauliche Mängel können dann zum Problem werden. "Es lohnt sich auf jeden Fall, Vorbereitungen zu treffen", sagt das Ehepaar Berns.

Haben die beiden trotz ihrer Einblicke überhaupt noch Appetit auf Restaurantküche? "Oh ja", sagt Georg Berns und lacht. "Wir gehen gern essen." Schwarze Schafe unter den Gastronomen seien zum Glück selten.

(RP)
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