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Moers: „Wir werden beschimpft“

Moers : „Wir werden beschimpft“

Der Verbraucher-Groll schlägt den Nokia-Händlern entgegen. Viele Kunden, die ein neues Handy kaufen wollen, sagen: "aber bitte kein Nokia!" Besonders drastisch ist es in Kamp-Lintfort.

Drei Teenies schlendern über die Homberger Straße, alle natürlich ihr Handy gezückt. Plötzlich brüllt der eine los: "Boh, du Asi, haste Nokia-Handy?!" Und der andere (nicht Angesprochene): "Ey, voll krass, biste asozial, kannst doch kein Nokia mehr haben . . ."

Verkaufszahlen brechen ein

Nokia ist out. Das merken auch und vor allem die Handy-Anbieter. "Wir werden teilweise von Kunden beschimpft, dass wir überhaupt noch Handys der Firma Nokia in unserem Sortiment führen", sagt Doris Butzen aus Kamp-Lintfort. Sie ist Geschäftsinhaberin von Freenet-Mobilcom in der Klosterstadt. Erst kürzlich habe sie ein Kunde angerufen, der sich lautstark über eine Nokia-Werbung von Freenet-Mobilcom aufgeregt habe. "Anfeindungen von aufgebrachten Kunden gehören zurzeit zur Tagesordnung", sagt Butzen. Seit der finnische Handyhersteller bekannt gab, das Werk in Bochum zu schließen, brechen auch die Verkaufszahlen von Nokia ein. "Bei uns haben allein seit Montag mehr als 20 Kunden bewusst auf den Kauf eines Nokia-Handys verzichtet. Sie haben sich gezielt dagegen entschieden", sagt die Geschäftsinhaberin. "Ich brauche zwar ein neues Handy — aber kommen sie mir bloß nicht mit Nokia" — so oder ähnlich klingt das jetzt in Butzens Laden oft.

Nicht auf Technik verzichten

Der Groll auf die finnische Firma ist offenbar noch viel größer als die Ablehnung gegenüber BenQ-Telefonen vor gut einem Jahr. "Da hat keiner bei uns Handys von BenQ oder Siemens boykottiert", erinnert sich Christian Bothe von Freenet-Mobilcom in Moers. Auch bei Vodafone auf der Steinstraße ist die Wut der Verbraucher auf Nokia spürbar. "Sehr viele Kunden wollen ausdrücklich kein Handy mehr von Nokia haben. Die Absatzzahlen gehen deutlich zurück", sagt Peter Hermstein von der Vodafone-Filiale in Moers.

Allerdings scheint das Alter der Verbraucher dabei eine Rolle zu spielen. "Jugendliche kaufen weiterhin Nokia. Ältere hingegen lehnen diese Marke fast konsequent ab", sagt Hermstein. Er vermutet, dass Jüngere halt nicht auf die neueste Technik verzichten wollen. Bei einer E-Plus-Filiale an der Homberger Straße merkt man hingegen kaum etwas von dem Nokia-Boykott. "Ich erinnere mich nur an einen einzigen Kunden, der kein Nokia-Handy haben wollte", sagt eine Angestellte, die ihn aber schnell vom Gegenteil überzeugen konnte.

Ach ja: Händlerin Doris Butzen schwört allerdings weiterhin auf ihr Nokia-Handy: "Ich bleibe auch künftig der Marke treu."

Selbst dann, wenn die Dinger in Rumänien produziert werden.

(RP)