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Moers: "Wir Politessen sind keine Abzocker"

Moers : "Wir Politessen sind keine Abzocker"

Bis zu acht Politessen laufen täglich durchs gesamte Stadtgebiet von Moers. Sie wehren sich gegen das Vorurteil, nur abkassieren zu wollen. Denn oft drücken die Ordnungshüter bei Falschparkern mindestens ein Auge zu.

Ihr Ruf ist nicht der Beste. Denn wo sie auftauchen, wird meist abkassiert, oder "abgezockt", wie es im Volksmund häufig heißt. Die Rede ist von Politessen. Täglich laufen bis zu acht von ihnen durch die Moerser Innenstadt, aber auch die entlegenen Stadtteile liegen auf ihrer Route. Autofahrer müssen zu jeder Uhrzeit und an jedem Tag damit rechnen, dass ihre Parksünde nicht unentdeckt bleibt.

Eine der Politessen ist Roswitha Lohmann. Seit 18 Jahren schon zieht die Moerserin beinahe täglich durch die Straßen der Innenstadt und hält Ausschau nach Falschparkern. Mit geschultem Blick läuft sie zwischen parkenden Autos umher, schaut immer wieder von rechts nach links und kontrolliert so Datum und Uhrzeit der hinterlegten Parkzettel.

Schnell ist der erste Falschparker ausfindig gemacht. In der Kautzstraße, hinter der Grafschafter Passage, steht ein Auto im Halteverbot. Doch der Fahrer, laut Autokennzeichen in Hessen beheimatet, kommt in diesem Fall glimpflich davon. Er bemerkt seinen Fehler, kommt zu seinem Auto zurück und wird nur mündlich von der Politesse verwarnt. "Er ist nicht ortskundig", erklärt Lohmann. "Außerdem arbeiten wir bürgerfreundlich. Die Touristen sollen ja gerne wieder nach Moers kommen", sagt sie grinsend. Außerdem gäbe es keine Pflicht, eine bestimmte Anzahl Strafzettel auszustellen.

"Ich verwarne nur Fehler, hinter denen ich stehe"

Und oft drückt sie auch ein Auge zu. Beispielsweise wenn die Beschilderung nicht hundertprozentig nachzuvollziehen ist. "Ich verwarne nur die Fehler, hinter denen ich selbst auch stehe", erklärt sie. Dennoch: Bis zu 40 Fahrzeughalter werden pro Route an einem Tag mit einem Strafzettel überrascht, und viele beginnen noch vor Ort eine Diskussion, beschimpfen oder drohen. "Manche schreien, dass sie wüssten, wo ich wohne", berichtet Lohmann. Doch Besuch eines erbosten Autofahrers habe sie zum Glück noch nicht bekommen. Auf lautes Hupen reagiert Lohmann beispielsweise schon lange nicht mehr. "Wenn man sich dann umdreht, kann nichts Gutes dabei herauskommen", sagt sie. Denn oft sind es wütende Autofahrer, die ihr noch "besondere Abschiedsgrüße" ausrichten. Dass die Ordnungshüter trotzdem ein hartes Fell brauchen, zeigt ein weiterer Vorfall, den die 56-Jährige erlebt hat. Zu Karneval vor zwei Jahren war ein Autofahrer so erbost über einen Strafzettel, dass er Lohmann mehrmals mit dem Auto anfuhr. "Verletzt wurde ich zum Glück nicht, aber das Verfahren läuft noch heute", berichtet sie.

Und auch sonst ist der Job nicht leicht. Je nach Route können es täglich sechs bis sieben Kilometer sein, die zurückgelegt werden. "Ich mache mir darüber nicht so richtig Gedanken", sagt Lohmann. "Aber ich werde sicherlich einmal um die ganze Welt gelaufen sein." Zu Hause angekommen braucht Lohmann Zeit zum "runter kommen", wie sie sagt. Und am nächsten Tag geht es wieder mit vollem Einsatz weiter. "Ich freu mich, dass ich Arbeit habe. Und wenn ich diese ausrichten kann, dann geht's mir gut."

(RP)