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Winterversammlung in Moers: Bauern fordern Dialog auf Augenhöhe

Winterversammlung in Moers : Bauern fordern Dialog auf Augenhöhe

Die alljährliche Winterversammlung der Ortsbauernschaften rund um Moers machte nochmals die Sorgen und Nöte des Berufsstandes deutlich.

Der Frust der Landwirte ist unüberhörbar. Die Verschärfung der Gülleverordnung, Ärger über ungenaue Messergebnisse beim Nitratgehalt des Grundwassers, das Ende vergangenen Jahres beschlossene Glyphosatverbot auf stadteigenen Flächen, die Wahrnehmung und das Auftreten in der Öffentlichkeit: All das waren Themen der Winterversammlung, zu der jetzt Bauern aus den Ortsbauernschaften Kapellen-Hülsdonk, Moers-Schwafheim und Repelen zusammenkamen. Für Bürgermeister Christoph Fleischhauer ein geeigneter Anlass, Dialogbereitschaft in einer schwierigen Gemengelage zu zeigen.

Im Oktober hatte die Politik beschlossen, dass das Pflanzenschutzmittel Glyphosat von den örtlichen Bauern nicht mehr auf die gepachteten städtischen Felder ausgebracht werden darf. Für Herbert Meiwes, Ortsbauernvorsitzender Kapellen-Hülsdonk, eine untragbare Situation. Nicht Ideologie, sondern Sachverstand müsse auch in einer Demokratie oberstes Prinzip bleiben, sagte er. Vor allem die Aufkündigung von sechs laufenden Pachtverträgen als Hebel anzusetzen, sei inakzeptabel. „Lassen Sie uns im persönlichem Gespräch bleiben“, sagte Fleischhauer, der die Einrichtung eines „Umweltbeirates mit Bauern“ ankündigte.

Kreisbauernvorsitzender Johannes Leuchtenberg schloss seinen Rückblick auf ein turbulentes Jahr an: „Ich wünsche uns ruhigere Fahrwasser, mehr Dialogbereitschaft von der Politik und mehr Sachverstand bei Entscheidung.“ Lange habe seine Branche still gehalten. Doch mangelnder Respekt, Geringschätzung und unqualifizierte Äußerungen „von falschen Umweltpäpsten“ verlangten eine andere Gangart. „Die Regale sind immer voll. Aber keiner fragt, wie es den Erzeugern geht“, so Leuchtenberg in Bezug auf die Lebensmittelproduktion.

Die Treckerdemonstrationen, organisiert über „Land schafft Verbindung“, seien nachhaltig wie wirkungsvoll, hieß es. „Wir sind mit Wucht aufgetreten“, so Leuchtenberg, der keinen Zweifel an weiteren Aktionen ließ. „Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung“, so der Vorsitzende, der einen Dialog auf Augenhöhe forderte.

Ernüchternd fiel hingegen das Zahlenmaterial von Heinrich Schnetger von der Landwirtschaftskammer NRW zum Dürresommer 2018 aus: 17,8 Millionen Euro Dürrehilfe seien an 622 Betriebe in NRW ausgezahlt worden, hieß es. 2,14 Millionen Euro gingen an 96 Betriebe in den Kreisen Wesel und Kleve.

Gute Nachrichten gab es dagegen in Bezug auf das Insektenschutzprogramm: Die Zahl der Blühflächen erhöhten sich im Kreis Wesel von 44,43 Hektar im Jahr 2015 auf 135,73 Hektar in 2018.