Rheurdt: Windkraft-Investor sucht Kontakt zur Politik

Rheurdt : Windkraft-Investor sucht Kontakt zur Politik

Die Firma SL Windenergie wirbt mit persönlichen Telefonanrufen bei den Fraktionen um Verständnis für ihr Vorhaben – bislang erfolglos.

Erwartungsgemäß hat der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Ökologie gestern zwei Anträge für neue Windräder auf Rheurdter Gebiet abgelehnt. Doch die Entscheidung fiel keineswegs rasch. Einer der Antragsteller, das Unternehmen SL Windenergie aus Gladbeck, hatte im Vorfeld Kontakt mit den Fraktionen aufgenommen und gefragt, ob die Firma nicht noch einmal in Ruhe ihre Projekte vorstellen könne. "Eine Mitarbeiterin hat mich angerufen", bekannte Andreas Nielsen, Fraktionsvorsitzender der FDP. Bei dem Unternehmen sei man ein wenig verwundert, dass die Gemeinde so rasch einen Beschlussvorschlag gegen die beiden Anträge zur Abstimmung vorlege. Auch mit ihm sei telefonisch Kontakt aufgenommen worden, berichtete Werner Fronhoffs, der Fraktionsvorsitzende der SPD.

Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen und Fachbereichsleiter Dirk Hövelmans zeigten sich überrascht. "Es ist eigentlich üblich, über solche Dinge zuerst mit der Verwaltung zu reden", meinten beide. Das wisse man sicher auch bei dem Gladbecker Unternehmen. Hans-Reiner Tabke (CDU), der Vorsitzende des Ausschusses kommentierte: "Für mich hat dieses Vorgehen ein Geschmäckle." Die Verwaltung führt gegen die Anträge für neue Windräder vor allem den Landschaftsschutz an. Die Anlagen würden an den Hängen des Höhenzuges stehen. "Naturschutz, Erholungswert und auch die geologischen Besonderheiten", wie Hövelmans formulierte, sprächen gegen den Bau von neuen Windkraftanlagen. Der Schaephuysener Höhenzug, der sich nordwestlich bis zum Oermter Berg zieht, ist eine rund 80 Meter hohe Endmoräne und bildet ein markantes Landschaftselement am flachen Niederrhein.

Die Charme-Offensive des Investors per Telefon blieb allerdings nicht ohne Wirkung. Werner Fronhoffs fragte, ob "uns ein Zacken aus der Krone fällt, wenn wir die Entscheidung noch einige Monate verschieben". Nur die CDU-Fraktion unter Robert Peerenboom sah keinen Grund, über eine Verschiebung des Punktes zu sprechen.

Die Verwaltung hatte bereits zu Beginn der Debatte die Ausschussmitglieder gewarnt, dass hohe Kosten auf die Gemeinde zukommen, wenn man die Anträge unterstütze. Dann sei es nämlich mit dem Status quo der ausgewiesenen Konzentrationszonen für Windräder vorbei. Das ganze Gemeindegebiet müsse neu überplant werden, und das sei ohne eine Investition in fünfstelliger Höhe nicht möglich.

Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen brachte die verunsicherten Fraktionsvertreter schließlich mit der Mahnung "Der Antrag muss beschieden werden" wieder auf Linie. Am Ende fand die Ablehnung der Anträge eine große Mehrheit. Ausschussmitglied Harald Kaul (Bündnis 90/Grüne) bekannte allerdings, dass er am liebsten für die beiden Investoren-Anträge stimmen würde. "Ich finde, die neuen Windräder würden die jetzige Zone gut abrunden." Andererseits denke er an die hohen Kosten für eine neue Überplanung des Gemeindegebietes. "Das ist happig. Deshalb werde ich mich enthalten."

Sollte der Rat die Entscheidung bestätigen, sind die beiden Anträge erst einmal vom Tisch. Sie können jedoch nach einer mehrmonatigen Frist erneut gestellt werden.

www.rheurdt.de

(RP/rl)
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