Unsere Woche: Willkommen in der Realität!

Unsere Woche: Willkommen in der Realität!

Liebe Moerser, ganz ehrlich, wie läuft das bei Ihnen, wenn plötzlich der Kindergarten anruft, um mitzuteilen, dass der Sohnemann sein Salami-Pausenbrot gerade in der Spielecke wieder ausgespukt hat und deshalb dringend abgeholt werden muss? Ich glaube, ich liege nicht ganz falsch, wenn ich sage: In 80 Prozent der Fälle bleibt die Mutter zu Hause, um sich um das kranke Kind zu kümmern. Oder um die alten Schwiegereltern. Oder um alle zusammen. Was ich sagen will, ist: Wir reden viel über Gleichberechtigung und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rolle der Frau - besonders am Weltfrauentag, den die Welt in dieser Woche gefeiert hat. Die Vorstellung von Frauen in Führungspositionen, die das verdienen, was sie verdienen - nämlich genauso viel wie Männer, die ihren Job gut machen -, finden die allermeisten sicher gut und richtig. In der Realität sind wir mit dem, was eigentlich schon längst selbstverständlich sein sollte, bloß noch lange nicht angekommen.

Beispiel Stadtverwaltung: Sieben Fachbereichsleitungen sind dort derzeit von Männern besetzt, nur drei von Frauen. Bei den stellvertretenden Leitungen ist das Verhältnis acht zu zwei, der Verwaltungsvorstand ist seit März komplett in Männerhand. Und das, obwohl Moers, was Frauenförderung betrifft, nie ganz hintenan war. Immerhin gibt es einen "Frauenförderplan". Fördern scheint aber nicht auszureichen, Gleichstellung ist das Ziel. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass es jetzt einen Gleichstellungsplan gibt, der verpflichtend umgesetzt werden muss. Es gibt Stichtage und ein festgeschriebenes Controlling. Der Gleichstellungsplan wird so zum Personalentwicklungsinstrument, und das ist gut so! Schließlich geht es um gleiche Chancen für Frauen und Männer in allen Lebensbereichen, um das aus dem Weg räumen von Hindernissen.

"Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen!", schreibt Bürgermeister Christoph Fleischhauer in der Einleitung zum Frauenförderplan, den der Rat in zwei Wochen verabschieden soll. "Frauen sind eine Wirkkraft des Wandels", sagt Wirtschaftsphilosoph Anders Indset. Der Norweger ist ein gefragter Führenkräfte-Coach. Am Montag war er beim Wirtschaftsforum im Autohaus Nühlen zu Gast und hat einen vielbeklatschten Vortrag gehalten. "Frauen können alles besser als Männer", sagt Indset. Bis auf netzwerken, sich gegenseitige unterstützen und nach vorne bringen. Das müssen Frauen lernen, keine Frage! In der "Trainingsphase" hilft im öffentlichen Bereich jetzt der Gleichstellungsplan. Für Moers kann das nur gut sein, findet

julia. hagenacker@ rheinische-post.de

(RP)