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Moers: Wieder ins Leben finden

Moers : Wieder ins Leben finden

Pastorin Beate Rosenbaum-Kolrep und Regine Huft bieten Seminare für Trauernde an. Am Ende der acht Sitzungen können die Teilnehmenden vielfach besser mit ihrer Situation umgehen. Sie wissen: Da ist jemand, der mich begleitet.

Moers/Duisburg Im ganzen Raum verteilt stehen großformatige Fotos. Auf einem ist eine weinende junge Frau abgebildet, auf einem anderen ein kahler Baum, ein weiteres Bild zeigt einen Verkehrsunfall. Leise, meditative Musik spielt. Jeder Teilnehmer sucht sich ein Foto aus und erzählt in der anschließenden Runde, welche Gefühle das Bild in ihm auslöst.

So beginnt die erste Sitzung des Trauerseminars. Pastorin Beate Rosenbaum-Kolrep (48) und die frühere Telefonseelsorgerin Regine Huft (72) sitzen mit den Trauernden um einen großen Tisch herum, im Obergeschoss des evangelischen Gemeindehauses in der Rheinhausener Lutherstraße. Alle 14 Tage mittwochs findet solch eine Sitzung statt. Am Ende können die Trauernden vielfach besser mit ihrer Situation umgehen. „Zumindest sollen die Teilnehmenden merken, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine sind, sondern begleitet werden“, erklärt Pastorin Rosenbaum-Kolrep.

Überwiegend Frauen

Vorrangig sind es Frauen, die Hilfe suchen. Meistens ältere, aber auch jüngere. Und meistens haben diese Menschen ihren Partner durch Tod verloren. Aber auch die Trennung von Kindern oder Arbeitslosigkeit kann ein Gefühl hervorrufen, das als Trauer empfunden wird. Die Umwelt hat nur eine gewisse Zeitlang Verständnis dafür, dass sich ein Trauernder zurückzieht. „Oft werden die Teilnehmerinnen mit Sätzen konfrontiert wie ’Jetzt muss es doch aber mal gut sein mit der Trauer‘“, erklärt Regine Huft. Und nicht selten fragt sich der trauernde Mensch dann: Werde ich verrückt?

In dem Seminar jedoch signalisieren schon die vielen Taschentuch-Packungen auf dem Tisch: Hier darfst du traurig sein, weinen, alle Sorgen erzählen! Während der ersten Treffen geht es den beiden Seelsorgerinnen darum, das Vertrauen der Teilnehmerinnen zu gewinnen. „Und je größer das wird, desto eher wird das gesamte Sorgen-Paket auf den Tisch gepackt“, weiß Pastorin Rosenbaum-Kolrep. In der Mitte des Seminars wird den Teilnehmerinnen der Trauerablauf nach psychologischem Erkenntnisstand vorgestellt: Huft und Rosenbaum-Kolrep erklären die Phasen der Trauer vom Schock bis hin zur Annahme und Anpassung. Die Teilnehmerinnen können ihr Gefühlschaos in einem so genannten Trauer-Mandala strukturieren. Oder sie schreiben, analog zu einem Bildnis des klagenden Hiob, ihre eigene Klage. Jede der rund eineinhalb-stündigen Sitzung endet mit einem hilfreichen Text, zum Beispiel von Jörg Zink.

In der letzten Sitzung wird ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert. „Und wir laden die Teilnehmerinnen ein, mit uns in einem Restaurant essen zu gehen“, so Rosenbaum-Kolrep. Für viele ist dies der Schritt zurück ins „normale“ Leben. „Ich war seit fünf Jahren nicht mehr im Restaurant“, sagte kürzlich eine Frau.

Eine andere Witwe drückte ihre Entwicklung mit den Worten aus: „Ich glaube, jetzt habe ich endlich den Mut, alleine zu leben und kann ich mir eine kleinere, eigene Wohnung nehmen.“

(RP)