Moers: Wie sich die Konfessionen in Moers helfen

Moers : Wie sich die Konfessionen in Moers helfen

Protestanten und Katholiken zeigen, wie praktische Ökumene aussieht - zum Beispiel, wenn es um Räumlichkeiten geht.

Zwischen Protestanten und Katholiken in der Grafschaft war das Verhältnis im Lauf der Geschichte nicht immer harmonisch. Doch das ist lang her. Wie Torsten Maes, Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde bestätigt, ist die Zusammenarbeit mit den katholischen Kollegen ausgezeichnet. Und dazu gehört es auch, den Christen der anderen Konfessionen zu unterstützen, wenn es nötig ist. Die Protestanten müssen bekanntlich seit Jahren mit einem geschlossenen Gotteshaus leben - die Stadtkirche wird umfassend saniert.

Das stellt die evangelischen Christen in manchen Fällen vor Platzprobleme. "Für Gottesdienste haben wir zum Glück Gemeindehäuser wie das Hülsdonker Pfarrheim und das Hans-Kremers-Haus", sagt Pfarrer Maes. Doch für größere Veranstaltungen reichen die Kapazitäten nicht aus. Die katholische Gemeinde St. Josef stellt dann ihre kirchlichen Räume zur Verfügung. Das war zum Beispiel der Fall, als im vergangenen Juli ein großes Benefizkonzert zugunsten der Stadtkirchensanierung stattfand. Ort war die katholische Kirche St. Josef, dort passten die rund 300 Besucher hinein. Auch beim Stadtkirchengespräch, zählt Maes die verschiedenen Gelegenheiten auf, könne man auf die Unterstützung der Katholiken zählen. "Besonders nett ist, dass wir auch technischen ,support' erhalten, falls nötig", berichtet der Geistliche.

Diese Hilfsbereitschaft beruht auf Gegenseitigkeit. Vor einigen Jahrzehnten waren es die Katholiken, die wegen einer Sanierung die Räume der Protestanten nutzen durften. Die gute Zusammenarbeit macht sich auch an den Personen fest. "Dechant Joachim Klaschka ist ein großartiger Kollege", sagt Maes. Überhaupt sei das Verhältnis zu allen katholischen Seelsorgern in Moers sehr erfreulich. Als klar wurde, dass die Stadtkirche lange Zeit geschlossen bleiben würde, brauchte es nicht lange, bis das Angebot von katholischer Seite stand. Und es steht immer noch, obwohl die Sanierung der Stadtkirche sich länger hinzieht, als die Beteiligten am Anfang geglaubt hatten. Beeindruckt ist Torsten Maes auch davon, dass die Katholiken Geld mitsammeln.

Peter Bossmann, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Martinus, nennt ein eindrucksvolles Beispiel für Ökumene: "Als jüngst eine Straße nach Pfarrer Klaus Ulaga benannt wurde, kam die Initiative von einem protestantischen Kollegen, Pfarrer Tobias von Böhn." Aber es seien nicht nur solche herausragenden Ereignisse, bei denen sich die Zusammenarbeit bewähre. "Ökumene muss im Alltag gelebt werden", sagt Bossmann. "Nicht groß drüber reden, sondern einfach tun." Beispiele in Moers seien etwa die Adventsfensteraktion, die Wiederbelebung des Buß- und Bettages und der gemeinsame Jahresabschluss. "Das wird immer gut angenommen."

(RP)