Moers: Wie Lebensmittel länger frisch bleiben

Moers : Wie Lebensmittel länger frisch bleiben

Drei Azubis haben bei einer Aktion im Hülsdonker Real-Markt Kunden auf das Thema Lebensmittel-Verschwendung angesprochen. Dabei gaben die jungen Experten unter anderem Tipps zur Frischhaltung und Weiterverwertung.

Als Kerstin Kischkel gestern mit dieser Zahl konfrontiert wurde, verschlug es ihr die Sprache. Pro Jahr entsorgt jeder Bundesbürger 82 Kilo Lebensmittel im Wert von 235 Euro. "Das hätte ich nicht gedacht. Stellen Sie sich mal die Menge in Butterpäckchen vor", meint sie spontan. Im real-Markt in Hülsdonk machten die drei Auszubildenden Jasmin Loges (20), Niklas Görtz (17) und Eike Mölders (21) auf diese Situation mit ihrer Aktion "zu gut für die Tonne" aufmerksam. Eine Kampagne, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kommt und für die Auszubildenden der Lebensmittelbranche maßgeschneidert scheint. "Wir wollen unseren Kunden Informationen mitgeben, wie sich im Kühlschrank bei richtiger Lagerung Lebensmittel wie Obst und Gemüse länger halten", sagt die angehende Handelsassistentin Jasmin. "Der Verbraucher soll überlegen, wie er in seinem persönlichen Umfeld mit der Verschwendung von Lebensmittel umgeht." Nicht von ungefähr tragen die drei T-Shirts mit dem Logo "Handeln aus Verantwortung".

Bewusster Umgang mit Lebensmitteln lässt sich trainieren. Niklas Görtz hat zuhause den Selbstversuch gestartet. "Man muss umdenken. Jeder kann das schaffen." Jasmin, Niklas und Eike setzen mit ihrer Azubi-Aktion einen Schlussstein zu einer hauseigenen der Informationsveranstaltung. "Wir wollen unsere Informationen an unsere Kunden weitergeben", sagen sie.

Ganz praktische Tipps hatten die drei Auszubildenden parat, wenn es um Aufbewahrungsformen in Frischhalteboxen geht oder wie Lebensmittelreste verwertet werden können. "Wir frieren zuhause ein", sagt der angehende Verkäufer Eike Mölders. Brotscheiben kommen in Portionen in den Frost und werden bedarfsgerecht verbraucht. Alleine 44 Prozent Obst und Gemüse landen in der Tonne, weil Bananen zu Tigerbananen mutieren. Eike: "Obst kann man weiterverarbeiten", meint er mit Blick auf eine Rezeptkarte, die Kunden die Zubereitung eines gebratenen Honigapfel empfiehlt.

Die Infotheke in Höhe der Käse- und Wursttheke haben sie strategisch gut platziert. Für die Eile mancher Kunden haben sie Verständnis. Auf Ablehnung reagieren sie professionell freundlich. Sie machen an dem Tag Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Verbrauchergenerationen. Sie hören Kommentare wie "Bei uns wird nichts weggeschmissen" oder "So wurden wir nicht erzogen."

In vielen Fällen entwickelte sich bei der Überreichung des Informationsmaterials manches Gespräch. Nachhaltigkeit, Vermeidung von Lebensmittelabfällen und das Motto Plastikfasten kamen bei den Kunden positiv an, stellte Niklas fest. "Ich finde es gut, dass die jungen Leute so kritisch sind und mit ihrem Anliegen an die Kunden herantreten", meinte beispielsweise Rosemarie, die ihre Tochter Kerstin Kischkel beim Einkauf begleitete. Sie setzt auf bewusstes Einkaufen statt auf Masse.

(sabi)
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