Moers: Wie kann man den Flüchtlingen wirklich helfen?

Moers : Wie kann man den Flüchtlingen wirklich helfen?

Zum Thema Flüchtlinge lud der Bunte Tisch ein. Expertin Sabine Rauch erklärte, wie deren Integration klappen kann.

Im Vereinsraum an der Moerser Kornstraße gab es keinen Sitzplatz mehr, als Sabine Rauch, Fachberaterin für Psychotraumatologie und stellvertretende Leiterin des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge Düsseldorf (PSZ), mit ihrem Vortrag über die Flüchtlingsarbeit begann. Der Bunte Tisch hatte zum Themenabend eingeladen. "In diesem Jahr ist Flucht unser Thema", sagte Amar Azzoug, Leiter des Bunten Tischs. Über die starke Resonanz freute er sich, viele der Gäste waren zum ersten Mal dabei. Sie engagieren sich ehrenamtlich im Raum Moers, wollen Asylbewerbern vor Ort beistehen und helfen.

Rauch erläutert den PSZ-Aufbau, beschreibt die Arbeitsfelder, die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, berichtet über die Therapien mit Flüchtlingen, auch mit unsicherem Aufenthalt. 2013 nahmen rund 430 Menschen mit 23 verschiedenen Sprachen aus 50 Ländern die professionelle Hilfe in Düsseldorf in Anspruch. Hinzu kamen 106 nichtbegleitete Minderjährige.

Die Aufgabe des PSZ besteht darin, einerseits diesen traumatisierten Menschen zu helfen, ihnen Hilfestellung bei der Bewältigung des Erlebten zu geben. Andererseits sind es ganz praktische Hilfen für den Alltag, wie Fragen, zu welcher Schule ihre Kinder gehen sollen. Wichtiger Teil des Prozesses ist zunächst, Stabilisierungsarbeit zu leisten. "Viele Dinge tragen zur Instabilität bei", sagt Sabine Rauch. Das Leben über Jahre in Unterkünften präge, sei zu laut, zu eng. Für die Therapieplätze müssen lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. "Schutzbefohlene haben nach den EU-Aufnahmerichtlinien einen Therapie-Anspruch. Erfreulich ist, dass es für sie seit Januar keine Präsenzpflicht mehr gibt", sagt Sabine Rauch. Eine PSZ-Dependance liegt in Geldern, ein weiterer Standort wird derzeit gesucht.

Moers geht es so wie vielen anderen Kommunen. Ihnen werden die Flüchtlinge zugewiesen. Wichtig sei es, ein stabiles Netzwerk vor Ort aufzubauen, das Hilfen von Institutionen und Ehrenamtlern bündelt. Der Bunte Tisch koordiniert mit der Stadt Stadt Moers diese Hilfen seit Jahresbeginn, Ansprechpartnerin ist Hayat Ketfi. "Wir machen gerade eine Bestandsaufnahme und führen Listen, wer was und in welcher Sprache anbietet. Wir haben ein gutes Gefühl", sagt die Koordinatorin für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Angeboten werden Deutschkurse, Begleitung beim Ämterbesuch.

Wie erfolgreich die therapeutische Arbeit des PSZ ist, verrät an dem Abend Zena (50). Er kam vor zehn Jahren aus dem Kongo nach Moers. Der Fünfzigjährige arbeitet, fühlt sich integriert, hat ein neues Leben aufgebaut. "Ohne die Hilfe des PSZ und die Therapie hätte ich es aber nie geschafft", sagt er.

www.bunter-tisch.de

(sabi)
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