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Unsere Woche: Wenn Bürokratie Stress macht

Unsere Woche : Wenn Bürokratie Stress macht

Die Freiwillige Feuerwehr will künftig auch Personen aufnehmen, die nicht am aktiven Einsatzdienst teilnehmen können oder wollen. Solche Unterstützungseinheiten brauchen wir auch in anderen Bereichen.

Liebe Mitmoerser, es ist ein längst überfälliger Schritt: Die Freiwillige Feuerwehr der Grafenstadt will künftig auch Personen aufnehmen, die nicht am aktiven Einsatzdienst teilnehmen können oder wollen. Der Personal- und Feuerwehrausschuss hat diese Woche Hauptausschuss und Rat einstimmig einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorgelegt. Eine Gesetzesänderung macht's möglich, und das ist gut so! Weil: Die Arbeitswelt verändert sich, manchmal schneller, als wie "Äh, aber ..." sagen können. Wer heute "Etwas mit Menschen" macht, macht immer auch "Etwas mit Papier und/oder Computern". Vor allem im EDV-Bereich gibt es viele neue Aufgaben - nicht nur, aber auch bei der Feuerwehr. Also warum dafür nicht jemanden in Betracht ziehen, der nicht Löschen und Retten kann, weil er dafür zum Beispiel nicht die körperlichen Voraussetzungen mitbringt. Anfang Juli wird der Stadtrat entscheiden, ob auch die Moerser Feuerwehr eine sogenannte Unterstützungseinheit gründen darf. Ganz ehrlich? Solche Einheiten bräuchten wir auch in anderen Bereichen - überall dort nämlich, wo Menschen, die enorm wichtige Aufgaben haben, drohen, unter der Last der Bürokratie zu kapitulieren. Bei Erziehern zum Beispiel - Fachleuten, die Freude daran haben, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten und die ihren Bildungsauftrag ernst nehmen, bei denen sich Druck und Stress aber immer häufiger lähmend auf die pädagogische Arbeit auswirken. In Kindertagesstätten gibt es mittlerweile eine Flut verordneter Formblätter, Checklisten, Vorlagen, Auflagen, Unterlagen und sonstigen Papieren. Alles wird qualitativ bewertet, dokumentiert, akribisch ausgefüllt, sortiert und abgeheftet - neben der anspruchsvollen und anstrengenden Arbeit mit den Kindern. Wer wundert sich da noch über den Erziehermangel?

julia.hagenacker@rheinische-post.de

(RP)