Moers: Wencek am Ende

Moers: Wencek am Ende

Moerser Taxifahrer äußern sich zum plötzlichen Betriebsstopp.

An der Homberger Straße 91 herrscht Stille. Gegen die Hauswand lehnen zwei Fahrräder, die Gardinen vor den Fenstern sind zugezogen. Die sonst so geschäftige Funk-Zentrale von Taxi Wencek ist menschenleer. Seit 1984 ist das Unternehmen bekannt für Billigpreise bei Taxis und Mietwagen. Das Firmenmotto: "Nur Laufen ist günstiger!"

November 2015: Bei einem Brand werden mehrere Fahrzeuge der Funkzentrale Wencek zerstört. Foto: Klaus Dieker (Archiv)

Am Mittwochabend wurde dem Vernehmen nach plötzlich der Betrieb eingestellt. Die eigenen Fahrer waren noch zu Wochenbeginn ahnungslos, heute stehen die Autos offensichtlich alle abgemeldet auf dem Parkdeck an der Essenberger Straße - die Nummernschilder sind abgeschraubt. Zu den Hintergründen ist nur wenig bekannt. Geschäftsinhaberin Nicole Pest und Inhaberin Bärbel Wencek sind nicht zu erreichen. Die bekannten Rufnummern sind nicht besetzt. Insolvenz, das scheint klar, hat Pest zumindest nicht beantragt, eine solche Meldung liegt beim Amtsgericht anscheinend nicht vor. Ob ein Verkauf im Raum steht? Unklar. Die zumeist gutinformierten Taxifahrer können auch nur mutmaßen. Ali - der Nachname soll nicht genannt werden - war einst vier Wochen lang für Wencek tätig und hat daran keine guten Erinnerungen. Er vermutet: "Die Inhaberin hat genug Geld verdient und gegen ein gutes Angebot die Firma aufgegeben."

Tatsächlich hielt sich bis zuletzt hartnäckig das Gerücht, dass die Firma zahlungsunfähig sei. Vor einigen Jahren stand auch eine Fusion mit Konkurrent "City-Hopser" im Raum. Daraus ist aber nichts geworden. Ungefähr im selben Zeitraum, November 2015, wurden mehrere Wencek-Fahrzeuge bei einer offensichtlich gezielten Tat angezündet. Nach Zeugenaussagen war auf dem Film der Überwachungskamera klar erkennbar gewesen, wie ein maskierter Mann eine Flüssigkeit auf die Taxis kippt und in Brand setzt. Die Identität des Brandstifters konnte aber nicht ermittelt werden.

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Zwei Fahrer von City-Hopser wissen, dass einige Mitarbeiter von Taxi Wencek schon bei ihnen untergekommen seien. "Die wussten vorher auch nicht was passiert", berichten sie. Jahrelang habe der Konkurrenzkampf zwischen City-Hopser und Wencek die Preise gedrückt. Die Fahrer erwarten, dass es für den Verbraucher nun teurer wird. "Auf Dauer werden wir die Preise bestimmt nicht beibehalten."

Axel Schneider von Taxi Fahrig hörte schon von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und von einer angeblichen Krankheit der Inhaberin. "Aber: Alles nur Gerüchte", sagt Schneider. Er gibt zu, dass das Ende von Taxi Wencek im Kollegenkreis mit einer gewissen Schadenfreude aufgenommen wurde. Der Preisdruck habe dem Unternehmen unter den Fahrern keine Freunde bereitet. "Ich find's nicht verkehrt", ist sein Kommentar zum Wencek-Aus. Auch in seiner Firma habe sich bereits ein Fahrer beworben.

(RP)