Weitgereiste Pfarrerin freut sich auf neue Aufgabe in Moers

Moers : Weitgereiste Pfarrerin freut sich auf Moers

Pfarrerin Anja Hartmann stammt aus Thüringen und ist über Hamburg und Buenos Aires und Eberswalde an den Niederrhein gekommen. In Argentinien hat sie in den Armenvierteln der Landeshauptstadt gearbeitet.

Anja Hartmann hat sich gut eingelebt. „In der Gemeinde bin ich bereits freundlich und herzlich aufgenommen worden, habe die Jungen und Mädchen im Konfi-Unterricht kennengelernt, mich in der Frauengruppe der Evangelischen Kirchengemeinde vorgestellt und ältere Frauen und Männer zu ihren Geburtstagen besucht“, sagt sie. „Ab September predige ich das erste Mal hier in meinem neuen Wirkungsfeld. Ich freue mich, hier in Moers zu sein.“

Anja Hartmann ist seit Juli Pfarrerin im Probedienst im Kirchenkreis Moers. Sie soll Pfarrerin Barbara Weyand unterstützen, die zusätzlich zu ihrer Gemeindearbeit in Utfort und Meerbeck als stellvertretende Skriba wichtige Leitungsaufgaben im Kirchenkreis wahrnimmt. Darüber hinaus übernimmt sie auch Aufgaben in der neuen Gemeinde Rheinkamp, die aus der Fusion der Gemeinden Eick, Meerbeck, Utford und Repelen hervorgegangen ist.

Anja Hartmann bringt eine Menge Wissen und Erfahrungen mit an den Niederrhein. 1973 im thüringischen RuIdolstadt geboren und im benachbarten Bad Blankenburg aufgewachsen, hat sie die Kirche über den Kindergottesdienst kennengelernt. „Es hat Spaß gemacht im Kindergottesdienst. Später bin ich auch nicht jugendgeweiht, aber konfirmiert worden“. 1989, noch bevor die Mauer fiel, verließ sie mit ihren Eltern die DDR.

Nach dem Abitur in Bad Oeynhausen und einem Praktikum im städtischen Krankenhaus begann sie mit dem Theologiestudium, zuerst in Bielefeld, später in Hamburg. „Nach dem Studium wollte ich praktische Erfahrungen im kirchlichen Bereich sammeln. In einem ökumenischen Menschenrechtsbüro war ich als Volontärin in zwei Frauenprojekten in den Armenvierteln von Buenos Aires tätig. In diesen Projekten betreute ich unter anderem Kinder und Jugendliche, indem ich sie bei den Hausaufgaben unterstützte, mit ihnen die Freizeit gestaltete und sie zu verschiedenen Einrichtungen begleitete. Wir hatten im Büro oft Diskussionen, welche Aufgaben die Kirche hat, ob sie zum Beispiel mehr politisch und diakonisch, arbeiten muss. Ich habe in Argentinien die extreme Schere zwischen arm und reich kennengelernt und gesehen, dass Arme kaum Rechte haben“.

Zurück in Hamburg, arbeitete Anja Hartmann bei einer Solidaritätskampagne für Aidsprojekte als Projektassistentin mit, leistete dort Seelsorge sowie Beratung, informierte und verfasste eine Jugendbroschüre zum Thema. Ein Ziel der Kampagne bestand auch darin, Spendengelder für Aidsprojekte zu sammeln. Beim Verein „Andere Zeiten e.V.“ wirkte sie daran mit, die Bedeutung des Kirchenjahres im Bewusstsein zu halten.

Im Jahr 2011 übernahm sie die Leitung eines evangelischen Gemeindezentrums in Eberswalde. Neben pfarramtlichen Tätigkeiten organisierte sie Mittagessenprojekte für Kinder, deren Eltern sich kein warmes Mittagessen leisten konnten, baute eine Kochgruppe für die Minderjährigen auf, lud zu Familiennachmittagen ein, stellte Feste für Senioren auf die Beine und ließ sich zur Gemeindepädagogin weiterbilden. „Ich wollte viel kennenlernen, ehe ich als Pfarrerin starte“, sagt sie rückblickend. „Eberswalde bedeutete in meinem Leben den Wendepunkt hin zum Pfarramt in einer Gemeinde.“

Als Vikarin ging Anja Hartmannnach Meerbusch-Büderich, wo sie auch ordiniert wurde. Jetzt ist sie in Moers. „Ich wollte in der Region bleiben, weil es mir hier gut gefällt. Ich möchte viel von den Menschen mitbekommen, und hatte ja schon erste Gelegenheiten dazu. Ich freue mich, dass ich hier als Pfarrerin die Gemeindearbeit mitgestalten kann.“ Und zum Ausspannen wird man sie auf den Feldwegen ihrer neuen niederrheinischen Heimat auch beim Joggen treffen.

Mehr von RP ONLINE