Neukirchen-Vluyn: Warum die Jugend besser ist als ihr Ruf

Neukirchen-Vluyn : Warum die Jugend besser ist als ihr Ruf

Marcel Klein ist einer von zwei Streetworkern in Neukirchen-Vluyn. Sie sind Vertrauenspersonen für Jugendliche – meist, wenn es Stress gibt.

"Eins möchte ich sagen: Unsere Jugend ist besser als ihr Ruf." Der das sagt, ist selber noch ein junger Mann. 27 Jahre alt ist Marcel Klein, er würde auch als 20-Jähriger durchgehen. Das macht es ihm leichter, einen Zugang zu Jugendlichen zu bekommen, die sich an verschiedenen Plätzen in Neukirchen und Vluyn versammeln – und manchmal für Ärger sorgen. Marcel Klein und sein Kollege Markus Hölzle sind die Streetworker der Arbeiterwohlfahrt. Im Auftrag der Stadt Neukirchen-Vluyn halten sie Kontakt zu Jugendlichen, haben ein offenes Ohr für deren Probleme, sie schlichten, vermitteln und geben Rat. "Doch wir drängen uns nicht auf", sagt Klein. Rund 100 Personen sind es, mit denen Klein und Hölzle regelmäßig zu tun haben.

Streetworker haben sich seit Jahren in der Jugendarbeit bewährt. Sie werden von den Teenagern als Vertrauenspersonen angenommen. "Die Streetworker müssen anfangs klar machen, dass sie nicht der verlängerte Arm der Ordnungskräfte sind", sagt Abteilungsleiterin Regelind Holzwarth.

Den typischen Tag eines Streetworkers gibt es nicht, manche Situationen kehren allerdings regelmäßig wieder. "Es kommt zum Beispiel ein Anruf vom Ordnungsamt, weil es irgendwo Beschwerden von Anwohnern über Jugendliche gegeben hat, etwa nächtlicher Lärm und Glasscherben auf dem Pflaster." Dann sucht Klein das Gespräch mit beiden Seiten. "Anwohner akzeptieren dann oft, dass die Jugendlichen sich vor Ort aufhalten, vorausgesetzt, es wird nicht zu laut."

Ein Rückschlag für die Jugendarbeit sei die Schließung des Treffpunkts "P 23" der evangelischen Gemeinde in Vluyn gewesen, sagen Holzwarth und Klein. In den vergangenen Jahren sei es gelungen, gerade schwierigere Jugendliche an dieses Angebot zu binden. Über dieses Thema gebe es derzeit Gespräche mit der Kirchengemeinde. Außerdem sucht die Awo eine Praktikantin für das Projekt, die Vertrauensperson für Mädchen sein soll.

Für Erwachsene sind die Gefühle und Gedanken der Jugend oft unbekanntes Terrain. Klein weiß, was sie bewegt und was sie begeistern kann. Manchmal gelinge es, über eine kreative Tätigkeit wie Hiphop oder durch Sport den Betroffenen Halt zu geben. "Viele wissen nicht, was sie mit sich anfangen sollen", meint er. Und dann kämen sie auf dumme Gedanken. Andere haben Probleme mit Drogen, meist Cannabis. Wieder andere leiden an ihrer zerrütteten Familie. In manchen Fällen können die Streetworker den Betroffenen Ansprechpartner nennen, oft sind sie bei den Gesprächen auch dabei. Ämter, Schulen, Jugendzentren und Beratungsstellen zählen zum Netzwerk.

Marcel Klein, der aus Moers kommt, hat sich schon als Schüler für Projekte interessiert, die Jugendliche von der Straße holen. Er studierte Soziale Arbeit an der Universität Duisburg-Essen, machte Zusatzqualifikationen als zertifizierter Erlebnispädagoge und als Hochseilgartentrainer. Erfahrungen mit gewalttätigen Jugendlichen hat Marcel Klein bislang nicht gemacht. Für den Fall der Fälle wäre er aber gut gerüstet: Kampfsport ist eine seiner Leidenschaften.

(RP)
Mehr von RP ONLINE