Musikfestival in der Grafenstadt Das Moers Festival hat 2023 gleich drei Stadtmusiker

Moers · Staffelübergabe: Das Trio „Recursion“ folgt im nächsten Jahr auf Tomeka Reid als „Improviser in Residence“. Steven Koch, Jan Krause und Christopher Retz sind die neuen Botschafter der improvisierten Musik. Warum Festivalchef Tim Isfort auf junge Talente aus der Region setzt.

 Das Einführungskonzert der drei neuen Moerser „Improviser in Residenz“ findet am 22. Januar um 19 Uhr statt. Der Ort wird noch bekannt gegeben.   Recursion heißt die Formation mit Christopher Retz, Jan Krause und Steven Koch.  Foto: Norbert Prümen

Das Einführungskonzert der drei neuen Moerser „Improviser in Residenz“ findet am 22. Januar um 19 Uhr statt. Der Ort wird noch bekannt gegeben.   Recursion heißt die Formation mit Christopher Retz, Jan Krause und Steven Koch. Foto: Norbert Prümen

Foto: Norbert Prümen

Seit 2008 gibt es sie schon, die Moerser Einrichtung „Improviser in Residenz“, bei der internationalen Musikern und Musikerinnen die Möglichkeit geboten wird, ein Jahr lang in einem kleinen Häuschen in der Moerser Innenstadt zu wohnen und in dieser Zeit die Freunde improvisierter Musik in der Stadt mit ihrem Können zu erfreuen. In diesem Jahr war das die amerikanische Cellistin Tomeka Reid. Aber wer wird sie ablösen?

Die Antwort auf diese Frage erhielten am Donnerstag die Besucher des „Residence“-Häuschens am Kastellplatz. Dort sah es am Anfang allerdings eher nach einem Handwerkereinsatz als nach einem offiziellen Pressetermin aus. Bereits am Eingang schallten dem Besucher lautstarke Bohr-, Säge- und Hammergeräusche entgegen.

Dazu wuselten in weiße Handwerkeroveralls gekleidete Männer geschäftig zwischen Holzbrettern, leeren Bierflaschen und einem leise auf dem Boden vor sich hinkreiselnden Schwingschleifer umher. „Aha, Tomeka Reid zieht aus, und nun werden die Räume entsprechend den Wünschen des nächsten Improvisers neu hergerichtet“, dachte man im ersten Moment. Als die Arbeitsgeräusche dann aber allmählich in jazzige Klänge übergingen und der derzeitige künstlerische Leiter des Moers Festivals, Tim Isfort, eine Sonnenbrille zertrümmerte, war klar: „Das ist eine Performance.“ So war es dann auch. „Entschuldigung, wir räumen nachher alles wieder auf. Ich freue mich, Ihnen heute unseren nächsten Moerser ‚Improviser in Residence‘ vorstellen zu dürfen“, begrüßte Tim Isfort die Anwesenden, unter ihnen die stellvertretende Moerser Bürgermeisterin Claudia van Dyck und den neuen Leiter des städtischen Kulturbüros Santiago Gomez.

„Diesmal“, fuhr Tim Isfort fort und ließ dabei die Spannung im Raum ansteigen, „haben wir nicht nur einen Improviser, sondern gleich drei.“ Das ist neu. Die vorherigen Moerser Stadtmusiker waren bis auf ein Zweierteam bisher immer Solo-Musiker und Solo-Musikerinnen gewesen, die allerdings häufig mit befreundeten Kollegen zusammen aufgetreten sind. Bei den in diesem Fall gleich drei ausgewählten Musikern handelt es sich um den 1991 geborenen, seit 2013 in Moers lebenden Steven Koch, den 29-jährigen Duisburger Jan Krause und den 1996 in Duisburg geborenen und in Moers aufgewachsenen Christopher Retz.

Steven Koch hat einen Studienabschluss im Bereich „Audio Engineering“ und beschäftigt sich seit 13 Jahren intensiv mit elektronischer Musik, speziell mit modularen Synthesizern im Live-Betrieb. Jan Krause absolvierte ein Musikstudium im Hauptfach E-Gitarre im Bereich Jazz & Pop. Er plant und organisiert seit vielen Jahren verschiedene Kunst- und Kulturveranstaltungen und gibt Instrumentalkurse für unterschiedliche Altersgruppen. Zum Schluss Christopher Retz. Er studiert zurzeit Energiewirtschaftsingenieurwesen und interessiert sich besonders für die Nutzung von Synthesizern und elektronischen Effekten auf iPads und Computern.

Die drei bilden seit drei Jahren die Gruppe „Recursion“ und sind unter dem Namen auch schon mehrfach beim „Moers Festival“ aufgetreten, unter anderem in den letzten beiden Ausgaben. „Wir wollen die Tür in Richtung junge Leute öffnen“, erklärte Tim Isfort die Wahl der neuen Stadtmusiker. „Es gab hier in der Region immer wieder große Talente. „Recoursion“ hat das Ziel, experimentelle Musik in der Region zu etablieren und junge Leute dabei einzubinden“, erklärte er.

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