Walzerseligkeit in der Repelener Dorfkirche

Konzert in Moers : Walzerseligkeit in der Dorfkirche

Sängerin Diana Petrova und Pianist Denis Ivanov präsentierten in Repelen ihr Programm „Strauss & Co. The Show must go on“.

Diana Petrova ist den Musikfreunden in Repelen gut bekannt, die aus St. Petersburg stammende und heute in Gelsenkirchen lebende Sängerin gastierte in den vergangenen Jahren mit unterschiedlichen Programmen in der Dorfkirche. Nur wenige Monate nach ihrem letzten Repelener Auftritt präsentierte sie diesmal unter dem Titel „Strauss & Co. – The Show is on“ auf „spielerische Weise mit szenischer Improvisation“ Arien und Lieder von Verdi und Lehár bis Strauß und Piazzolla. Ziel des moderierten Programms war es, das Publikum „mit Esprit und Humor“ in die Welt der gesungenen Tänze aus Oper, Operette und Musical zu entführen – frei nach dem Motto „Am Anfang tanze ich, und am Schluss tanzt das Publikum!“ Dafür sollte die Dorfkirche nicht einfach ein Ort der Musik sein, sondern zur Bühne werden.

Begleitet wurde Diana Petrova von dem ebenfalls aus St. Petersburg stammenden Pianisten Denis Ivanov, der den Ausflug in die Tanzwelt elanvoll und stilsicher mit Tschaikowskys Walzer-Scherzos eröffnete und auch im Lauf des Konzerts immer wieder solistisch mitwirkte. Während er angenehm unprätentiös agierte, gönnte Diana Petrova sich den Auftritt als selbstverliebte Operndiva. Mal mit glitzerndem Diadem oder roter Blüte im Haar, mal mit einer schnurrbärtigen Maske auf dem Gesicht oder wild mit einem Messer herumfuchtelnd, schlüpfte sie in verschiedene Rollen, sang beim Tanzen und tanzte beim Singen, verteilte neckisch Rosen an das Publikum, um sie wenig später lachend wieder einzusammeln und plauderte von ihrer Kindheit in St. Petersburg, wo „Zucht und Ordnung und strenge Regeln herrschten“.

Zwischen ausgiebigen Übersetzungen der Arientexte und Erklärungen über die Geschichte von Bolero und Tango gab Petrova abwechslungsreiche Beispiele ihres sehr hohen lyrischen Koloratursoprans, mit dem sie Verdi ebenso zu interpretieren weiß wie Piazzolla. Ein informativer Exkurs in die Fächersprache und eine feurige Kastagnetten-Einlage rundeten die bunte Darbietung von russsischem Tango bis George Gershwins „By Strauss“ ab, mit dem sie zum Walzerkönig und damit zum Finale überleitete.

Nachdem sie vorher zwei Besucher mit eher mäßigem Erfolg zum Tanz auf die Bühne gedrängt hatte, wollte Diana Petrova zum „Frühlingsstimmen-Walzer“ dann endlich ihr anfangs verkündete Motto umgesetzt haben: „Und jetzt muss jeder tanzen, der noch laufen kann!“ Diese Aufforderung kam nicht bei allen Besuchern gut an. Während einige sich fröhlich im Dreivierteltakt drehten, eilten andere fast fluchtartig zum Ausgang: „Wir müssen hier raus!“ Zu viel Walzerseligkeit ist auch in Repelen nicht jedermanns Fall.

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