Vorzeigeflüchtling in Moers macht Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker

Moers : Aram Mustafa büffelt sich zum Erfolg

Der 36-Jährige zählt zu den Vorzeigeflüchtlingen. Dank eines großen Willens ist er heute Kraftfahrzeugmechatroniker.

Der 16. März 1988 machte Halabja weltweit bekannt. Das irakische Baath Regime startete an diesem Tag einen Giftgasangriff auf die Stadt im Nordirak, bei dem 5000 Kurden getötet und 7000 schwer verletzt wurden. Auch für die Kurden, die überlebten, war der weltweit größte Chemiewaffenangriff auf Zivilisten ein Einschnitt, zum Beispiel für Aram Mustafa. Für den damals Sechsjährigen begann ein Leben auf der Flucht. Heute, 30 Jahre später, arbeitet der junge Mann nach einer Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker in seinem Ausbildungsbetrieb, dem Moerser Autohaus Minrath.

„Die Flucht begann mit dem Angriff“, erzählt der 36-jährige Moerser. „Ich habe noch einen Abschluss von der ersten Klasse, aber nicht mehr von der zweiten und dritten.“ In dieser Zeit lebte seine Familie im Iran. „Ich habe selbstständig den Stoff dieser Klassen gelernt“, blickt er zurück. Das Abschlusszeugnis der vierten Klasse hat er wieder. Dann begann 1991 der Irakkrieg, und er hatte auf der Flucht wieder alleine zu lernen. „Ich muss immer überlegen, wo wir überall waren, weil es so viele Orte waren“, blickt er auf sein Leben auf der Flucht zurück.

2009 kam er nach Moers kam. In der Grafenstadt machte er das, was er immer gemacht hatte: selbstständig Lernen. „Die anderen 16 im Deutschkurs waren zu langsam“, erzählt er. „Deshalb habe ich mit Büchern die Sprache selbst gelernt.“ 2011 ging er zur Volkshochschule, um seinen Schulabschluss nachzuholen. Er schloss 2014 mit der Mittleren Abschluss ab, „mit Qualifikation“, wie er betont.

Dann suchte er einen Ausbildungsplatz. „Ich hatte mehrere Plätze zur Auswahl“, berichtet er. „Aber ich wollte Kraftfahrzeug-Mechatroniker werden. Das ist ein Beruf, in dem ich jeden Tag etwas Neues lernen muss, um auf dem Laufenden zu bleiben.“ Er fand einen Platz beim Autohaus Minrath, wo er seine Ausbildung im August 2015 begann. „Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre“, erzählt Personalleiterin Anna Achterberg. „Gute können auf drei Jahre verkürzen. Die Behörden haben vorgeschrieben, dass er es in zweieinhalb Jahre zu schaffen hat.“

Die Vorprüfung legte er ein halbes Jahr früher ab, trotz der Verkürzung als einer der Besten seines Jahrganges. „Er hat unheimlich gebüffelt“, freut sich Ausbildungsleiter Jörg Klama. Die Abschlussprüfung bestand Aram Mustafa ein Jahr vorher, obwohl er Pech hatte.

Ein Prüfungsthema, die Hochvolttechnik für Elektroautos, hatte der junge Mann durch die Verkürzung noch gar nicht durchgenommen. „Mit der Ausbildung ist Kraftfahrzeug-Mechatroniker zu meinem Traumberuf geworden“, erzählt der 36-Jährige, der neben Deutsch auch Kurdisch, Persisch und Arabisch spricht. „Vielleicht mache ich irgendwann einmal meinen Meister. Bis dahin will ich mein Privates regeln.“

Dabei zeigt er eine Milde, die kaum zu beschreiben ist. „Er ist unendlich freundlich“, sagt Anna Achterberg. „Gleichzeitig ist er ein außergewöhnlicher Handwerker. Diese Kombination ist einfach fantastisch.“